NSU-Untersuchungsausschuss Hessen: ein bewegender, trauriger und kämpferischer Auftritt von Ayşe und İsmail Yozgat

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Die Familie Yozgat war heute zur letzten Sitzung des NSU-Untersuchungsausschuss im hessischen Landtag eingeladen – die Einladung erfolgte sehr spät und wirkte wie ein symbolischer Akt. Im Verlauf der Befragung von Ayşe und İsmail Yozgat, den Eltern des am 6. April 2006 in seinem Internetcafé ermordeten Halits, wurde deutlich wie wichtig ihr Wissen und ihre Einschätzungen sind.

Gleich zu Beginn der Sitzung hängte İsmail Yozgat ein Bildplakat an den Zeugentisch – sichtbar für alle Abgeordneten und verband damit das Kinderfoto von Halit mit der Straßenumbenennung.  Nachdem er die Forderungen nach der Umbenennung der Holländischen Straße in Halitstraße und einer erneuten Begehung des Tatorts stellte, berichtete er von den Geschehnissen im Internetcafé am Tattag des 6. April 2006.  Mit einem Tisch und einigen Stühlen stellte er das Internetcafé nach und veranschaulichte körperlich und räumlich für alle Mitglieder des Untersuchungsausschusses die Situation im Internetcafé: Zuerst zeigte er in welcher Lage er seinen Sohn hinter dem Tisch fand, wie er Hilfe holte und wie er seinen Sohn in seine Arme nahm. Im zweiten Schritt zeigte er, dass Temmes Aussage nicht stimmen kann, da er auch sofort Halits Körper gesehen haben musste und dass, „(…) die polizeiliche Nachstellung nach Herrn Temmes Wünschen ausgeführt wurde. Laut İsmail Yozgat gibt es nur drei Möglichkeiten: Herr Temme hat die Mörder gesehen oder er hat sie gelenkt oder er hat Halit selbst ermordet.

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Große Teile des Ausschusses zeigten gleich zu Beginn deutlich, dass sie kein Interesse an weiteren Ermittlungen haben: Die CDU Fraktion machte kein Gebrauch von ihrem Fragerecht und beließ es lediglich bei Beileidsbekundungen. Jörg-Uwe Hahn von der FDP Fraktion gab der Familie den völlig unpassenden, als Frage getarnten Ratschlag, die gutgemeinte Geste der Kasseler Bevölkerung — die Einrichtung des Halitplatzes — dankbar anzuerkennen und nicht weiter die Umbenennung der Holländischen Straße in Halitstraße zu fordern. In diesem Moment ging ein empörtes Raunen  durch den Besucher*innenbereich. Herr Yozgat antwortet auf den Halitstraßen Ratschlag: „Sie haben das gemacht was Sie wollten – nicht was wir wollten. Ich habe immer nur die Halitstraße gefordert“.

Auch der Vorsitzende des Ausschusses, den Herr Yozgat um  Unterstützung oder Hinweise für die Umsetzung seiner Forderung nach der Umbenennung bat, wies dies ab mit dem Hinweis, dass diese Entscheidung bei der Stadt Kassel liege. Deutlich wurde, dass die Forderung auch ein gesellschaftliches Problem sichtbar macht: Wie schwer wiegt, daß Kassel ein Opfer rassistischer Gewalt zu beklagen hat – gegen die Opferung eines Straßennamens?

Ayşe und İsmail Yozgat zeigten großes Unverständnis darüber, daß von Seiten der staatlichen Behörden Andreas Temme Glauben geschenkt wird. Sie wiesen deutlich darauf hin, dass Temme über 2 Jahre hinweg täglich Gast im Internetcafé war und immer zwei Stunden blieb – zwei Mal auch in Begleitung einer hochgewachsenen Frau. Nur am Tattag  blieb er lediglich 15 Minuten und kam danach nie wieder. Herr Yozgat konnte auch in unzähligen schlaflosen Nächten keine Antwort darauf finden warum, warum nur 15 Minuten, und warum blieb er danach weg?

Herr und Frau Yozgat berichteten auch, dass sie von 2006 bis 2011 abgehört und beschattet wurden. „Wenn wir zu Verwandten nach Holland fuhren, wurden wir verfolgt. Wenn wir nach Österreich zu Verwandten fuhren, wurden wir verfolgt. Die Beschatter folgten uns auch bis in die Türkei…“  deswegen kann Ayşe Yozgat nicht ausschließen, ob sie nicht auch in 2013 auf dem Weg nach München zum Oberlandesgericht verfolgt wurden. Sie fragte die Mitglieder des Ausschusses ob sie heute auch noch abgehört werden.

Nach dem Mord nahmen zwei verdeckte Ermittlungsbeamte Kontakt zur Familie auf und gaben sich als interessierte Käufer für das leerstehende Internetcafé aus.

Ismail Yozgat hatte sich  nach dem Mord schriftlich an Volker Bouffier in seiner damaligen Funktion als Innenminister gewandt und ihn um ein Gespräch gebeten. Bouffier allerdings ging nie auf die Bitte der Familie ein und dieser Brief blieb unbeantwortet. In dieser Zeit erhielten sie keinerlei Unterstützung oder Beratung durch staatliche Stellen, z.B. durch Seelsorger. Herr Yozgat betonte auch, dass er niemals irgendwelche Gelder vom Staat angenommen hat, weder Rückerstattung von Reisekosten zum Gericht, noch die 800.000 Euro die ihm für den Verlust seines Sohne angeboten wurden. Sein einziger Wunsch wäre, dass die Straße in der Halit geboren wurde und in der er ermordet wurde umbenannt würde.

Schließlich erzählten sie von der Demonstration „Kein 10.Opfer“ im Jahr 2006 in Kassel, die von den betroffenen Familien organisiert wurde. Es sei ihnen mit der Demonstration darum gegangen, dass weiteren Morde verhindert würden. „Wir wollten aller Welt zeigen, dass wir eine Stimme haben“ sagte Ayşe Yozgat dazu. Beiden war es wichtig, durch die Demonstration ihrem Wissen und ihren Forderungen Gehör zu verschaffen, und sie wiesen darauf hin, dass nach der Demonstration „kein 10.Opfer“ die rassistische Mordserie zum Halten kam.

Die Stimme der Yozgat’s war laut und klar und die vielen Besucher dieses voraussichtlich letzten öffentlichen Verhandlungstages wurden zu Zeugen ihres  wichtigen, profunden Wissen um das Geschehen. Dass ausgerechnet die Stimmen von Herrn und Frau Yozgat erst jetzt zum Ende des hessischen Untersuchungsausschusses vorkommt, ist mehr als unverständlich. Vor allem, da die Frage im Raum bleibt, was ihr Wissen zu Beginn des Untersuchungsausschusses hätte in Gang setzen können, wäre es gehört worden.

Es bleibt ein starkes Zeugnis von den Versäumnissen und Fehlern der staatlichen Institutionen, der Medien und der Gesellschaft, das hilft die Dimensionen des NSU-Komplexes zu verstehen und zu erfassen.

Die Initiative 6. April fordert, dass dieses Wissen und das Gespräch mit den betroffenen Familien im Zentrum der Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex stehen muss. Es kann nicht sein, dass 11 Jahre nach dem Mord an Halit Yozgat seine Familie lediglich als symbolischer Akt  am letzten Tag des Untersuchungsausschusses eingeladen wird. Unsere Gedanken sind heute bei der Familie Yozgat und bei allen anderen Angehörigen der Opfer.

 

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Presse- Rückschau auf den 6. April

Liebe Freund*innen,

Es hat ein bisschen gedauert, aber hier unsere Rückschau auf den 6. April:

der 6. April war vor allem ein trauriger Tag. Es jährte sich der Mord an Halit zum 11. mal. Halit war unser Bruder, unser Freund, unser Kollege, unser Nachbar.

Unser Gedenken, das Gedenken der Familie Yozgat und das vieler anderer war aber auch ein kämpferisches, ein politisches, ein lautes Gedenken. Ein Erinnern in vielen Facetten:

Auf der Pressekonferenz zur Eröffnung der Documenta14 in Athen sprachen zwei Mitglieder der Initiative 6. April und vom Tribunal „NSU-Komplex auflösen!“ als Gesellschaft der Freunde und Freundinnen von Halit. Sie erinnerten an Halit und plädieren für eine Überwindung von Nationen und die Gesellschaft der Vielen. Sie bekamen dafür Standing ovations.

https://www.swp.de/…/documenta-auftakt-in-athen-14750948.ht…

https://www.hna.de/…/documenta-14-vor-start-gedenken-an-hal…

https://news.artnet.com/…/adam-szymczyk-press-conference-do…

 

Auf der Pressekonferenz in Kassel von der Initiative 6. April, dem Tribunal NSU-Komplex auflösen und Forensic Architecture stellte das Institut Forensic Architecture die Ergebnisse ihrer vom NSU-Tribunal beauftragten Untersuchungen dar. Das klare Ergebnis: Der ehemalige Verfassungsschutz-Mitarbeiter Andreas Temme muss sowohl die Schüsse auf Halit Yozgat im Internetcafe gehört, als auch seine Leiche gesehen haben. Die Ergebnisse schlagen international große Wellen und werden wohl in den Prozess am OLG München eingeführt, als auch in den hessischen Untersuchungssausschuss.

https://www.theguardian.com/…/architects-called-upon-to-aid…

https://www.zdf.de/gedenken-mordfall-yozgat-100.html

(Ja wir waren in den heute-Nachrichten!)

An der Demonstration „Kein nächstes Opfer! NSU-Komplex auflösen!“ beteiligten sich trotz Ferien und der Zeit, wochentags um 13h, mehr als 400 Menschen. In zahlreichen Redebeiträgen wurde u.a. gefordert: Verfassungsschutz abschaffen! Bouffier muss zurück treten! Umbenennung der Holländischen Straße in Halitstraße! Temme raus aus dem öffentlichen Dienst! Der hessische Untersuchungsausschuss muss sich endlich mit den relevanten Fragen beschäftigen, Rassismus thematisieren und aufhören sich v.a. mit Parteikonkurrenz und rumgehacke zu beschäftigen! Die Aufklärung des NSU-Komplex darf nicht mit dem Prozess in München zu Ende gehen! Die Bundesregierung ist es den Opfern und Angehörigen schuldig für echte Aufklärung zu sorgen! Es braucht weiterhin Gesellschaftlichen Druck! Die Gesellschaft der Vielen ist längst Realität! Es wird Zeit, dass die Perspektive der Migration, die Perspektive der gesamten Gesellschaft wird! Wir müssen uns zusammen schließen und solidarische Bündnisse schmieden! Stop rechte Gewalt! Kein nächstes Opfer! In der Nähe des Halitplatzes stoß die Familie Yozgat zu der Demonstration dazu und ging die letzten Meter mit uns gemeinsam zur Gedenkveranstaltung.
Die Lokalzeitung HNA geht auf das Gutachten und die Gedenkveranstaltung ein, lässt aber in ihren Artikeln zum 6.April die Demonstration „Kein nächstes Opfer!“ -und ihren historischen Vorläufer 2006- vollkommen aus.
Überregional wird dennoch darüber berichtet:

Frankfurter Rundschau http://www.fr.de/…/kassel-kassel-gedenkt-der-nsu-opfer-a-12…

HR-Beiträge http://hessenschau.de/…/11-todestag-von-nsu-opfer-yozgat-tr…

Die Gedenkveranstaltung der Familie Yozgat war gut besucht, kämpferisch und sehr bewegend. In zahlreichen Reden wurde eine vollständige Aufklärung des NSU-Komplex gefordert und insbesondere auf die Ungereimtheiten im Fall Temme verwiesen. Ismail Yozgat erneuerte seine Forderung nach der Halistraße und nach ernsthafter, vollständiger Aufklärung: „An alle Verantwortlichen in Berlin, Wiesbaden und Kassel: ihr werdet mit eurem Schreddern und Schweigen nichts erreichen.“ Gemeinsam werden wir ewig dafür kämpfen das die Wahrheit ans Licht kommt. Darauf bezog sich auch die Initiative 6. April: Die Forderung nach der Halitstraße ist auch unsere Forderung! Negativ fiel insbesondere die Vertreterin der Stadt auf, die sich traute auf der Gedenkveranstaltung alle unsere Forderungen mit einem Satz wegzuwischen unter dem Vorwand, dass die Umbennenung der Straße zu stressig werden würde. Abschließend lud die Familie Yozgat zum gemeinsamen Essen.

Wir bedanken uns insbesondere bei der Familie Yozgat für die Einladung und ihren unermüdlichen Kampf! Außerdem bei allen Beteiligten an diesem Tag.
Allen die zu unserer Demonstration gekommen sind, allen die uns virtuell unterstützt haben, allen die uns medial begleitet haben und tolle Fotos (v.a. @protestfotografieffm) und Filmbeiträge geschaffen haben und allen die durch Reden oder/und andere Unterstützung dabei waren: der Initiative Tag der Solidarität – Gedenken an die Opfer des NSU Terrors, der Kasseler Initiative Nachgefragt, dem Infoladen an der Halitstraße, NSU Watch und NSU-Watch Hessen, der antifaschistischen Gruppe TASK aus Kassel, dem Türkischen Bund Berlin-Brandenburg, der SAV – Sozialistische Alternative Kassel, dem AStA Kassel, der YXK Kassel und Kasseler Linken, der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak und dem Tribunal ‚NSU-Komplex-auflösen‘

Lasst uns weiter als Bündnis mit Betroffenen zusammenstehen, dann sind wir viele, dann sind wir stark und können gemeinsam viel erreichen – für uns alle und für zukünftige Generationen.

Kein nächstes Opfer! NSU-Komplex auflösen!

Forensic Architecture hat zur Rolle Andreas Temme geforscht – Pressekonferenz 6.4.2017, 12:30(!) Uhr in Kassel

Please find English version below!

Initiative 6. April und
Tribunal NSU-Komplex auflösen! laden ein:

Forensic Architecture (Goldsmiths London) präsentiert ihre Untersuchung zu den Aussagen des früheren Verfassungsschutz-Mitarbeiters Andreas Temme

Einladung zur Pressekonferenz
am 6.4.2017, 12:30(!) Uhr im Kulturzentrum Schlachthof, Kassel

Kommenden Donnerstag, den 6. April jährt sich der 11. Todestag von Halit Yozgat. Er wurde 2006 in seinem Internet-Café in der Holländischen Straße in Kassel erschossen und ist das 9. Opfer des NSU.
Am 6. April 2017 um 12:30(!) Uhr werden im Rahmen einer Pressekonferenz – organisiert von der Initiative 6. April und dem Tribunal NSU Komplex auflösen – vorläufige Untersuchungsergebnisse durch die an der Gold- smiths Universität in London ansässige Forschungseinrichtung Forensic Architecture (http://www.forensic-architecture.org/) zum Mordfall an Halit Yozgat vorgestellt.

Die Untersuchung von Forensic Architecture in Zusammenarbeit mit der Kasseler Initiative 6. April und dem Tribunal NSU-Komplex au ösen beziehen sich auf die Rolle des früheren Verfassungsschutz-Mitarbeiters Andreas Temme, der während des Mordes im Internetcafé anwesend war. Die Causa dieses Mordes ist trotz des seit Mai 2013 laufenden Gerichtsprozesses am OLG München immer noch geprägt durch offene Fragen. Dies betrifft insbesondere die Rolle von Andreas Temme. Der damalige Mitarbeiter des Hessischen Verfassungsschutzes hielt sich während der Mordzeit im Internetcafé auf. Er verließ das Internet-Café nur wenige Sekunden bevor Halit ́s Vater Ismail Yozgat eintraf, der seinen hinter dem Schreibtisch liegenden Sohn sofort sah. Andreas Temme sagte mehrmals aus, dass er nichts gesehen, nichts gehört und nichts wahrgenommen habe.

Forensic Architecture hat in einem 1:1 Raummodell des Internet-Cafés und mit Hilfe von 3-D Modellen eine aufwändige Untersuchung vorgenommen. Im Mittelpunkt standen dabei drei Fragen: was hat Andreas Temme gesehen? was hat er gehört? und was hat er gerochen? Hierzu mehr im Pressetext von Forensic Architecture.

Die Ergebnisse sind nicht nur spektakulär, sondern stellen die bisherige Darstellung von Andreas Temme stark in Frage. Mit Hilfe der Kombination von digitalen und analogen Untersuchungsmethoden wurde hier neues Beweismaterial erzeugt, dass auch vor Gericht bestehen kann.

Die Pressekonferenz zur Veröffentlichung dieser vorläufigen Ergebnisse findet am Donnerstag, den 6. April 2017 um 12:30(!) Uhr statt.

Weitere Untersuchungsergebnisse sind im Zeitraum 17-21. Mai 2017 im Rahmen des Tribunals NSU-Komplex auflösen in Köln zu erwarten.

Am 6. April findet zusätzlich ab 13:00 Uhr eine Demonstration unter dem Titel “Kein nächstes Opfer” statt, die am Kasseler Rathaus startet. Ab 15.30 Uhr beginnt die offizielle Gedenkveranstaltung am Halitplatz, dessen zentraler Moment die Ansprache der Familie Yozgat bilden wird.

Mit freundlichen Grüßen

Initiative 6. April

Presserelease von Forensic Architecture, 01.04.2017

Intiative 6. April and
Tribunal Unraveling the NSU Complex:

Forensic Architecture (Goldsmiths London) presents their examination of Andreas Temme’s statements, former employee of Hessen Office for the Protection of the Constitution

Invitation to press conference on 6 April 2017, 12:30(!) p.m. at Kulturzentrum Schlachthof in Kassel

This Thursday, 6 April, is the 11th anniversary of Halit Yozgat’s death. In 2006 he was shot dead in his internet café on Holländische Straße in Kassel. He was the 9th victim of the NSU.

On 6 April 2017 at 12:30(!)p.m. a press conference will be held to present the work of Forensic Architecture, a research group at Goldsmiths University, London (http://www.forensic-architecture.org/). They will present the preliminary results of their study of Halit Yozgat’s murder case. The press conference is being organized by Initiative 6. April and the Tribunal Unraveling the NSU Complex.

Forensic Architecture has collaborated with the Kassel-based Initiative 6 April and the Tribunal Unraveling the NSU Complex to scrutinize the role of the former employee of the Constitutional Protection Office, Andreas Temme, who was in the internet café at the time of the murder. The legal context of the murder is still riddled with questions despite the ongoing trial before the High Regional Court Munich, which began in May 2013. There are a lot of questions surrounding Andreas Temme’s role in particular. Back in 2006 Temme was working for the Hessen Office for the Protection of the Constitution, the domestic secret service. At the time of the murder, he was in the internet café. He left the internet café just seconds before Halit’s father, Ismail Yozgat, walked in and immediately saw his son lying on the ground behind his desk. Andreas Temme has said multiple times that he saw nothing, heard nothing, and otherwise didn’t notice anything unusual.

Forensic Architecture built a 1:1 model of the internet café and used 3-D modelling technology to undertake an elaborate study of the event. Their three leading questions were: What did Andreas Temme see? What did he hear? And what did he smell? For more details, see the Forensic Architecture press kit.

The results are beyond spectacular. They powerfully call into question how Andreas Temme has been characterized up to now. By combining digital and analog investigative methods, Forensic Architecture has produced new evidence that can stand in court.

Their preliminary results will be presented at the press conference on Thursday, 6 April 2017 at 12:30 p.m. The precise location will be announced shortly beforehand, but will be somewhere around Halitplatz.

More results from their study of the murder case will be presented between 17 and 21 May 2017 as part of the Tribunal Unraveling the NSU Complex in Cologne.

There will also be a march held on 6 April starting at 1:00 p.m. with the motto “No next victim!” (https://initiative6april.wordpress.com). The march will start at Kassel town hall. The official memorial service will begin at 3:30 p.m. on Halitplatz and will culminate in an address held by the Yozgat family.

With kind regards,
Initiative 6 April

Presserelease von Forensic Architecture, 01.04.2017