Zur Gedenkveranstaltung am 6. April 2019

Wir setzen uns seit Jahren für ein gemeinsames öffentliches Gedenken mit der Familie Yozgat am 6.April ein. Nachdem der aktuelle Oberbürgermeister der Stadt Kassel dieses gemeinsame öffentliche Gedenken aufgekündigt hat, haben wir mit der Anmeldung einer Gedenkveranstaltung am Halitplatz diese Tradition sicherstellen wollen. Um aufgekommene Missverständnisse auszuräumen, haben wir diese Anmeldung zurückgezogen. Wir wollen, dass auf dem Halitplatz an jedem 6. April, die Trauer und die Forderungen der Eltern von Halit Yozgat im Zentrum stehen. Dies sollte auch in Zukunft nie am 6. April in Frage stehen!

Wer nicht erkennt, wie wichtig diese Gedenkveranstaltung ist, erkennt nicht, dass diese Morde ein Angriff auf unsere gesamte Gesellschaft sind. Es ist kennzeichnend für Kassel, dass es hier eine große gemeinsame Gedenkveranstaltung gibt, die von einem breitem gesellschaftlichen Interesse getragen wird.

Wie soll das Gedenken an einen rassistisch motivierten Mord durch ein neonazistisches Terror-Netzwerk nicht politisch sein? Wir wollen gedenken, damit so etwas nie wieder passiert.

Zu hoffen bleibt, dass der 6. April in den kommenden Jahren wieder ein gemeinsamer Tag der Trauer und der Erinnerung sein kann und die Gedenkveranstaltung der Familie wieder wie gewohnt stattfinden kann. Denn wir wissen wie wichtig der Familie dieser Tag und dieser Ort ist.

Die Demonstration „Solidarität statt Schlussstrich! Rassistische Strukturen auflösen! NSU-Komplex aufklären!“ wird auf jeden Fall stattfinden. Sie beginnt um 13.30h am Rathaus und endet am Kemal-Altun-Platz (vor dem Schlachthof).

Die Gedenkveranstaltung der Familie Yozgat wird am 5. April um 15.00h am Halitplatz stattfinden.

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Veranstaltungsreihe in Kassel

Rund um den 6. April werden zahlreiche Veranstaltungen stattfinden, die sich in unterschiedlichen Formaten mit dem NSU-Komplex, rassistischen Kontinuitäten und aktuellen Erscheinungsformen rechter Strukturen beschäftigen. Ihr findet diese auch auf unserem wunderschönen Flyer. (Tipp: Der Flyer ist gleichzeitig ein Plakat. Wenn du fertig bist mit lesen – hänge ihn doch auf 🙂 )

28.3. | Do. | 18:00 | Podiumsdiskussion | Philipp-Scheidemann-Haus

„Gegen das Vergessen – Gefahr im Verzug!“ Konsequenzen aus dem NSU-Terror

Veranstaltet von InitiativeNACHGEFRAGT, VHS-Region Kassel, GEW-Kassel und Nordhessen, Ortsbeirat Nordholland | Kontakt: initiativenachgefragt@gmx.de

Podiumsdiskussion mit: MdB Dr. Irene Mihalic (GRÜNE), MdB Petra Pau (LINKE), MdB Dr. Johannes Fechner (SPD), Seda Başay-Yıldız (Vertreterin der Nebenklage im Münchener NSU-Prozess); Moderation: Armin Ruda (Offener Kanal)

Wir fragen: Warum ist es so schwer, die Erkenntnisse aus den Untersuchungsausschüssen und dem Münchner Prozess in entschlossenes politisches Handeln umzusetzen? Wodurch wird eine Aufklärung des NSU-Komplexes verhindert? Woraus resultiert die gesellschaftliche Ratlosigkeit angesichts des Schwindens demokratischer Gewissheiten und der zu beobachtenden Verrohung des politischen Diskurses? Mehr Infos hier.

29.3. | Fr. | 19:30 | Dokumentarisches Theater | Staatstheater Kassel (Schauspielhaus)

Die NSU-Monologe – Der Kampf der Hinterbliebenen um die Wahrheit

Dokumentarisches Theater der Bühne für Menschenrechte
Deutsch mit englischen und türkischen Übertiteln | almanca – Türkçe ve İngilizce üst yazılı

Die NSU-MONOLOGE erzählen von den jahrelangen Kämpfen dreier Familien der Opfer des NSU – von Elif Kubaşık, Adile Şimşek und İsmail Yozgat. Als am 11. Juli 2018 nach 438 Prozesstagen das Urteil gegen vier Mitglieder des NSU gesprochen wurde, resümierte Frau Ayşe Yozgat, die Mutter von Halit Yozgat, der am 6. April 2006 in Kassel erschossen wurde: »Sie haben wie Bienen gearbeitet, aber keinen Honig produziert«. Die Bundesanwaltschaft und das Gericht haben sich geweigert, das Netzwerk des NSU aufzudecken und die Unterstützung des NSU durch die bundesdeutsche Neonaziszene sowie die Rolle der Verfassungsschutzämter aufzuklären. Es kann kein Schlussstrich unter die Geschichte des NSU gezogen werden, denn nicht nur die Angehörigen der Opfer verlangen Aufklärung – das verlangt die gesamte Gesellschaft. Mehr Infos hier.

2.4. | Di. | 15–20:00 Offenes Treffen für Basteln, Gestaltung und Austausch Karnak (Mombachstraße 45a / Haltestelle Halitplatz)

„Fill_in_the_Blanks“

Wir wollen uns bereits einige Tage vor der Demonstration und der Gedenkkundgebung unter dem Titel „Fill_in_the_Blanks.“ bei Kaffee und Kuchen im Karnak treffen. Dort können wir uns dann u.a. gestalterisch und inhaltlich mit den vielen Fragen auseinandersetzen, die nach dem Ende der ersten NSU-Prozesse in München noch immer offen bleiben. Für Ideen, Gespräche und Vernetzung steht genau dieser Raum zur Verfügung. Zum Bauen, Basteln und Ausprobieren steht uns die neue Werkstatt zur Verfügung, in der Transparente, Schilder und vieles mehr entstehen können. Wir freuen uns auf Euch!

3.4. | Mi. | 18:00 | Film und Diskussion | Filmladen (Goethestraße 31, Kassel)

„Der zweite Anschlag – Rassistische Gewalt in Deutschland. Eine Anklage der Betroffenen“

Veranstaltet von response / Bildungsstätte Anne Frank in Kooperation mit der Initiative 6. April.

Im anschließenden Gespräch mit Filmemacherin Mala Reinhard und der Protagonistin Ayşe Güleç (Initiative 6. April) sprechen wir über Kontinuitäten von Rassismus und rechter Gewalt in Deutschland sowie über migrantische Perspektiven auf antifaschistisches Engagement. Mehr Infos hier.

6.4. | Sa. | 13–18:00 | Ausstellung | Schlachthof Kassel (Mombachstraße 10-12, alte Bewirtungsräume)

Ausstellung zur Aufarbeitung des NSU Komplexes in Zwickau

In der Ausstellung geht es um die Tat- und Wohnorte des NSU-Netzwerkes: Die Gruppe stellte sich die Frage, ob überhaupt von einem „Untergrund“ die Rede sein konnte und wie diese Gruppierung vernetzt war. Indem sie die Orte, an denen das NSU-Kerntrio gelebt und gewirkt hatte, besuchten und dazu recherchierten, kamen sie zu dem Ergebnis, dass es schlichtweg keinen „Untergrund“ gab: Sie konnten sich in Chemnitz frei bewegen, hatten funktionierende soziale Strukturen und ein Netzwerk, welches sie stärkte.

Ein Projekt der Geschichtswerkstatt Chemnitz “Jugendarbeit in der Transformationsgesellschaft” und der Geschichtswerkstatt Zwickau in Kooperation mit dem Kulturbüro Sachsen e.V. Fachstelle Jugendhilfe, Alter Gasometer e.V., AJZ Chemnitz MOJA und der Geschichtswerkstatt Jena (mehr Infos zum Projekt hier)

Solidarität statt Schlussstrich – Demo am 6. April 2019

Als zivilgesellschaftliches Bündnis 6. April rufen wir am 6. April 2019 zu einer Demonstration mit dem Titel „Solidarität statt Schlussstrich – Rassistische Strukturen auflösen! NSU-Komplex aufklären“ auf.

Beginn: Rathaus 13.30h

Ende: 15.30h am Philipp-Scheidemann-Haus (gegenüber des Halitplatzes)

Gedenkveranstaltung: 15.30h am Halitplatz

Aufruf:

“Wenn die wahren Verstrickungen nicht benannt werden, kann es immer wieder
passieren.” hat ein Aktivist aus der Keupstraße kurz nach dem Bekanntwerden
des NSU prophezeit.
2006 hat der NSU Halit Yozgat in seinem Internetcafé in der Holländischen
Straße ermordet. Im Juli letzten Jahres ist der erste NSU-Prozess in München
gegen fünf Angeklagte zu Ende gegangen. Auch der erste hessische Untersuchungsausschuss
in Wiesbaden wurde abgeschlossen. Die zentralen Fragen
blieben offen: Warum Halit? Wer waren die lokalen Unterstützungsstrukturen?
Was hat der Verfassungsschutz mit den Morden zu tun? Die Forderungen von
Überlebenden, Angehörigen und Unterstützer*innen bleiben unerfüllt: Rassismus
in staatlichen Strukturen bekämpfen, den Verfassungsschutz abschaffen
und die Umbenennung der Holländische Straße in Halitstraße. Entsprechend
wichtig ist es, dass wir nicht zulassen, dass ein Schlussstrich gezogen wird
und dass die offenen Fragen weiterhin gestellt und lückenlos aufgeklärt
werden. Wir wenden uns gegen das Vergessen, gegen den Versuch einen
Schlussstrich zu ziehen.
2019 stehen wir vor neuen rechten Parteien und Bündnissen; alten und neuen
rechtsterroristischen Strukturen, die auch in Nordhessen agieren; nur in Ansätzen
aufgedeckten rechten Netzwerken in Polizei und Bundeswehr; einem
gesellschaftlichen Rechtsruck und der ungebrochenen Alltäglichkeit von Rassismus
in Gesellschaft und Institutionen.
All diese Strukturen müssen aufgedeckt und aufgelöst werden. Die hessische
Regierung übt sich seit 2006 in Verschleierung, Lügen und Vertuschung. Dem
wollen wir geschlossen entgegentreten. Die Realität der Gesellschaft der Vielen
muss endlich anerkannt werden. Wir stehen für ein gleichberechtigtes Miteinander
aller Menschen und solidarisch an der Seite von Betroffenen rechter
und rassistischer Gewalt.
Deswegen fordern wir ein Ende des Verdrängens und Vertuschens durch
die Behörden, eine konsequente Bekämpfung von Faschismus, Neonazismus
und Rassismus und setzen uns für ein gemeinsames, solidarisches
Entgegentreten gegen den alltäglichen Rassismus in dieser Gesellschaft
ein.

Es wird auch Mobilisierungen aus anderen Städten wie Göttingen, Frankfurt am Main, Chemnitz, Zwickau, Jena und vielen weiteren geben. Weitere Infos findet ihr in Kürze hier. Wenn ihr selbst Interesse an Mobi-Material habt schreibt uns eine Mail.

Aufruf: Keine Wahlen ohne NSU-Komplex!

Am 28. Oktober sind Wahlen in Hessen.

Jedoch wird der Mord an Halit Yozgat und die damit verbundene Rolle des Verfassungsschutzes als Teile des NSU-Komplexes ignoriert. 
Auch die fehlenden Ermittlungen und politische Konsequenzen sind zentrale Themen der letzten Legislaturperiode in Hessen, die somit auch zentrale Themen für diese Wah-len sein müssen.
Denn auch nach dem Ende des NSU-Prozesses in München und mit Ende des Untersuchungsausschusses in Hessen sind konkrete Fragen offengeblieben:

– Warum und von wem wurde Halit Yozgat als Opfer ausgesucht?

– Warum war der ehemalige Verfassungsschützer Temme während des Mordes im Internetcafé?

– Warum hat der hessische Verfassungsschutz Berichte rund um den NSU und seinen Bezügen zu Kassel für 120 Jahre gesperrt?

– Warum verhindert Volker Bouffier als zuständiger Ministerpräsident weitere Aufklärung?

Mit Erstaunen haben wir festgestellt, dass diese Fragen im Vorfeld der Wahlen trotz der vielen der ausführlichen Berichterstattung in den letzten Jahren jetzt wieder nicht angesprochen werden.
Der hessische Untersuchungsausschuss, besonders die Aussagen der Fami-lie Yozgat und das Gutachten der Forschungsgruppe Forensic Architecture ( https://www.forensic-architecture.org/case/77sqm_926min/ ) haben deutlich gemacht, was für ein staatlicher Skandal bis heute noch nicht aufgeklärt ist.

Die Medien, besonders der öffentlich-rechtliche Rundfunk, sind einer breiten, kritischen Berichterstattung verpflichtet, besonders im Vorfeld einer Wahl. Sowohl im Deutschlandfunk „Interview der Woche“ mit Volker Bouffier und Thorsten Schäfer-Gümbel, in den Wahl-O-Mat Fragebögen der Landeszentrale für politische Bildung, der Frankfurter Rundschau wie auch im Wahlkompass der FAZ herrscht völlige Abwesenheit des kontinuierlichen Versagens der hessischen Behörden.
Es kann nicht sein, dass das Thema NSU, die institutionellen Verflechtungen mit Neonazis und der strukturelle Rassismus in Hessen wieder zur Seite geschoben wird.
Lasst uns dafür sorgen, dass das Schweigen nicht noch lauter wird! Diese Wahlen sind ein zentrales Moment der politischen Partizipation und sie können nicht ohne die Frage nach dem NSU-Komplex stattfinden.

Wir bitten euch, wann immer im Vorfeld der kommenden Wahlen eine Podiumsdiskussion zu Ende geht, ein Interview gesendet wird, am Wahlkampfstand einer Partei Gespräch geführt wird, ohne dass der NSU-Komplex angesprochen wird, dann macht es zum Thema!

Geht ans Mikrofon, schreibt eine Email, sprecht die Leute an und fragt ganz direkt nach. Alle Menschen, die sich in Hessen für einen Sitz im Landtag, für einen Platz in der Regierung bewerben, müssen sich auch dafür rechtfertigen, was sie getan haben und was sie tun werden, um den NSU-Komplex aufzulösen.

Keine Wahlen ohne Auflösen des NSU-Komplexes!

11.07! – Bus aus Kassel nach München zum Tag X2 – Kein Schlussstrich! NSU-Komplex auflösen!

***AKTUALISIERT AM 06.07.2018***

***Bitte weiterleiten***

Zwölf Jahre nach dem Mord an Halit Yozgat und der Demo „Kein 10. Opfer!“ in Kassel, sechseinhalb Jahre nach dem Bekanntwerden des NSU und dem Versprechen nach „lückenloser Aufklärung“, nach fast fünf Jahren NSU-Prozess und vier Jahren hessischem NSU-Untersuchungsausschuss sind zentrale Fragen im NSU-Komplex weiterhin nicht beantwortet und die Forderungen der Betroffenen und der Zivilgesellschaft nicht erfüllt.

Jetzt geht der Prozess in München zu Ende und es ist zu erwarten, dass Sicherheitsbehörden und Staat dann versuchen werden das große Buch NSU zuzuschlagen.Wir werden das nicht zulassen! Zu viele Fragen sind offen, zentrale Motive im NSU-Komplex, wie zum Beispiel struktureller und institutioneller Rassismus oder die Rolle des Verfassungsschutzes, weder ausreichend benannt, noch bearbeitet.

Um das zu zeigen wollen wir zum Tag X2 nach München fahren und auch und besonders aus und für Kassel fordern:

KEIN SCHLUSSSTRICH! NSU-KOMPLEX AUFLÖSEN!

Deswegen kommt mit uns nach München zum Aktionstag und der Großdemonstration.

Am Mittwoch, 11.7. um 5.30h fährt der Bus am Blauen Tor (Mönchebergstraße ) los. Um 21h geht von München zurück. Früh aufstehen für Antirassismus und Antifaschismus ist also angesagt 🙂

Kauft euch Tickets!

Wie viel? 10€ Hin- und Zurück ab Kassel

Wo? Tickets gibt’s im AStA der Uni Kassel (zu den Bürozeiten) und im Kollektivcafé Kurbad (Sternstr. 20, Do-Mo 13-19h; So 13-18h)

Denn vollständigen Aufruf nach München gibt es hier: https://nsuprozess.net/ueber/

Für alle die nicht mitkommen können wird es am 11.7. ab 14h im Kollektivcafé Kurbad einen Livestream zur Veranstaltung in München geben. Ihr seid herzlich eingeladen dort ne Limo oder einen Kaffee zu schlürfen und live zu verfolgen was dort passiert! Kein Schlussstrich auch in Kassel!

Haltet euch auf dem Laufenden hier:

https://initiative6april.wordpress.com/

facebook.com/Initiative6.April/

twitter: @Ini6April

Busorga: Initiative 6. April, Antifaschistische Gruppe T.A.S.K; mit freundlicher Unterstützung von AStA Uni Kassel

Aktuelle Informationen zum Gedenken an Halit am 06.04.2018

Wegen dem Rückzug der Stadt Kassel aus dem Gedenken wird die diesjährige Veranstaltung eine andere Form haben. Schweigend und mit Blumen werden wir Halit und allen anderen Opfern rechter Gewalt gedenken.

Wir bitten euch Blumen, als Symbol des Gedenkens mitzubringen.

06.04.2018
15:30 Uhr
Halitplatz

Stellungnahme der Initiative 6. April zum Rückzug der Stadt

Am 29. März 2018 hat die Stadt Kassel ihre Beteiligung für die diesjährige Gedenkveranstaltung für Halit Yozgat, der als das 9. und jüngste Mordopfer des NSU gilt, zurückgezogen. Die Entscheidung der Stadt Kassel sich auf der Gedenkveranstaltung mitten in den letzten Absprachen und Vorbereitungen herauszuziehen, ist mehr als irritierend: Als Initiative 6. April halten dies Entscheidung für beschämend und nicht annehmbar.

Denn: Ein ungeklärter Brandanschlag auf die Moschee ist kein Grund sich aus der Gedenkveranstaltung wegen angeblicher „Sicherheitsbedenken“ raus zuziehen. Im Gegensatz zum Oberbürgermeister Christian Geselle sieht die Polizei keine konkreten Gefahren und könne die Veranstaltung schützen.

Die Gedenkveranstaltung für Halit ist wichtig und es ist wichtig, dass die Stadt Kassel sich voll und ganz in Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Gruppen in dieser Frage einsetzt. Das Gedenken an Halitplatz ist eine wichtiges sozial-politisches Zeichen. Es ist wichtig, der Familie gemeinsam im solidarischen Akt zu zeigen, dass wir als Gesellschaft der Vielen an diesem Tag zusammenstehen, da Halit unser Freund, unser Nachbar, unser Bruder war und bekunden: wir wollen lückenlose Aufklärung und wir wollen kein nächstes Opfer.

Als Initiative 6. April im Bündnis mit vielen anderen engagierten BürgerInnen und Gruppen in Kassel werden wir in diesem Sinne zusammenstehen.

Wir möchten außerdem sehr gerne den Aufruf „Wir erinnern an Halit Yozgat“ von Akteuren der Kasseler Stadtgesellschaft teilen.

FINDET STATT!

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Als Initiative 6. April sind wir irritiert über den plötzlichen Rückzug der Stadt Kassel aus der Gedenkveranstaltung. Sicherheitsbedenken wurden vom Ordnungsamt der Stadt Kassel uns gegenüber nie geäußert. Medienberichten zufolge hält auch die Polizei eine sichere Durchführung der Veranstaltung ohne weiteres für möglich. 

Wir wollen weiterhin gedenken! 

Kommt alle weiterhin am 06. April 2018 um 15:30 Uhr zum Halitplatz,
kommt am 04. April 2018 um 19:00 Uhr zum Kulturnetz Kassel, (Untere Königstraße 46a)
dort werden wir auch über die aktuelle Situation und geänderten Pläne für den 06. April im Rahmen der Veranstaltung Hessische Perspektiven auf den NSU-Komplex sprechen!

NSU-Untersuchungsausschuss Hessen: ein bewegender, trauriger und kämpferischer Auftritt von Ayşe und İsmail Yozgat

Bild

Die Familie Yozgat war heute zur letzten Sitzung des NSU-Untersuchungsausschuss im hessischen Landtag eingeladen – die Einladung erfolgte sehr spät und wirkte wie ein symbolischer Akt. Im Verlauf der Befragung von Ayşe und İsmail Yozgat, den Eltern des am 6. April 2006 in seinem Internetcafé ermordeten Halits, wurde deutlich wie wichtig ihr Wissen und ihre Einschätzungen sind.

Gleich zu Beginn der Sitzung hängte İsmail Yozgat ein Bildplakat an den Zeugentisch – sichtbar für alle Abgeordneten und verband damit das Kinderfoto von Halit mit der Straßenumbenennung.  Nachdem er die Forderungen nach der Umbenennung der Holländischen Straße in Halitstraße und einer erneuten Begehung des Tatorts stellte, berichtete er von den Geschehnissen im Internetcafé am Tattag des 6. April 2006.  Mit einem Tisch und einigen Stühlen stellte er das Internetcafé nach und veranschaulichte körperlich und räumlich für alle Mitglieder des Untersuchungsausschusses die Situation im Internetcafé: Zuerst zeigte er in welcher Lage er seinen Sohn hinter dem Tisch fand, wie er Hilfe holte und wie er seinen Sohn in seine Arme nahm. Im zweiten Schritt zeigte er, dass Temmes Aussage nicht stimmen kann, da er auch sofort Halits Körper gesehen haben musste und dass, „(…) die polizeiliche Nachstellung nach Herrn Temmes Wünschen ausgeführt wurde. Laut İsmail Yozgat gibt es nur drei Möglichkeiten: Herr Temme hat die Mörder gesehen oder er hat sie gelenkt oder er hat Halit selbst ermordet.

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Große Teile des Ausschusses zeigten gleich zu Beginn deutlich, dass sie kein Interesse an weiteren Ermittlungen haben: Die CDU Fraktion machte kein Gebrauch von ihrem Fragerecht und beließ es lediglich bei Beileidsbekundungen. Jörg-Uwe Hahn von der FDP Fraktion gab der Familie den völlig unpassenden, als Frage getarnten Ratschlag, die gutgemeinte Geste der Kasseler Bevölkerung — die Einrichtung des Halitplatzes — dankbar anzuerkennen und nicht weiter die Umbenennung der Holländischen Straße in Halitstraße zu fordern. In diesem Moment ging ein empörtes Raunen  durch den Besucher*innenbereich. Herr Yozgat antwortet auf den Halitstraßen Ratschlag: „Sie haben das gemacht was Sie wollten – nicht was wir wollten. Ich habe immer nur die Halitstraße gefordert“.

Auch der Vorsitzende des Ausschusses, den Herr Yozgat um  Unterstützung oder Hinweise für die Umsetzung seiner Forderung nach der Umbenennung bat, wies dies ab mit dem Hinweis, dass diese Entscheidung bei der Stadt Kassel liege. Deutlich wurde, dass die Forderung auch ein gesellschaftliches Problem sichtbar macht: Wie schwer wiegt, daß Kassel ein Opfer rassistischer Gewalt zu beklagen hat – gegen die Opferung eines Straßennamens?

Ayşe und İsmail Yozgat zeigten großes Unverständnis darüber, daß von Seiten der staatlichen Behörden Andreas Temme Glauben geschenkt wird. Sie wiesen deutlich darauf hin, dass Temme über 2 Jahre hinweg täglich Gast im Internetcafé war und immer zwei Stunden blieb – zwei Mal auch in Begleitung einer hochgewachsenen Frau. Nur am Tattag  blieb er lediglich 15 Minuten und kam danach nie wieder. Herr Yozgat konnte auch in unzähligen schlaflosen Nächten keine Antwort darauf finden warum, warum nur 15 Minuten, und warum blieb er danach weg?

Herr und Frau Yozgat berichteten auch, dass sie von 2006 bis 2011 abgehört und beschattet wurden. „Wenn wir zu Verwandten nach Holland fuhren, wurden wir verfolgt. Wenn wir nach Österreich zu Verwandten fuhren, wurden wir verfolgt. Die Beschatter folgten uns auch bis in die Türkei…“  deswegen kann Ayşe Yozgat nicht ausschließen, ob sie nicht auch in 2013 auf dem Weg nach München zum Oberlandesgericht verfolgt wurden. Sie fragte die Mitglieder des Ausschusses ob sie heute auch noch abgehört werden.

Nach dem Mord nahmen zwei verdeckte Ermittlungsbeamte Kontakt zur Familie auf und gaben sich als interessierte Käufer für das leerstehende Internetcafé aus.

Ismail Yozgat hatte sich  nach dem Mord schriftlich an Volker Bouffier in seiner damaligen Funktion als Innenminister gewandt und ihn um ein Gespräch gebeten. Bouffier allerdings ging nie auf die Bitte der Familie ein und dieser Brief blieb unbeantwortet. In dieser Zeit erhielten sie keinerlei Unterstützung oder Beratung durch staatliche Stellen, z.B. durch Seelsorger. Herr Yozgat betonte auch, dass er niemals irgendwelche Gelder vom Staat angenommen hat, weder Rückerstattung von Reisekosten zum Gericht, noch die 800.000 Euro die ihm für den Verlust seines Sohne angeboten wurden. Sein einziger Wunsch wäre, dass die Straße in der Halit geboren wurde und in der er ermordet wurde umbenannt würde.

Schließlich erzählten sie von der Demonstration „Kein 10.Opfer“ im Jahr 2006 in Kassel, die von den betroffenen Familien organisiert wurde. Es sei ihnen mit der Demonstration darum gegangen, dass weiteren Morde verhindert würden. „Wir wollten aller Welt zeigen, dass wir eine Stimme haben“ sagte Ayşe Yozgat dazu. Beiden war es wichtig, durch die Demonstration ihrem Wissen und ihren Forderungen Gehör zu verschaffen, und sie wiesen darauf hin, dass nach der Demonstration „kein 10.Opfer“ die rassistische Mordserie zum Halten kam.

Die Stimme der Yozgat’s war laut und klar und die vielen Besucher dieses voraussichtlich letzten öffentlichen Verhandlungstages wurden zu Zeugen ihres  wichtigen, profunden Wissen um das Geschehen. Dass ausgerechnet die Stimmen von Herrn und Frau Yozgat erst jetzt zum Ende des hessischen Untersuchungsausschusses vorkommt, ist mehr als unverständlich. Vor allem, da die Frage im Raum bleibt, was ihr Wissen zu Beginn des Untersuchungsausschusses hätte in Gang setzen können, wäre es gehört worden.

Es bleibt ein starkes Zeugnis von den Versäumnissen und Fehlern der staatlichen Institutionen, der Medien und der Gesellschaft, das hilft die Dimensionen des NSU-Komplexes zu verstehen und zu erfassen.

Die Initiative 6. April fordert, dass dieses Wissen und das Gespräch mit den betroffenen Familien im Zentrum der Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex stehen muss. Es kann nicht sein, dass 11 Jahre nach dem Mord an Halit Yozgat seine Familie lediglich als symbolischer Akt  am letzten Tag des Untersuchungsausschusses eingeladen wird. Unsere Gedanken sind heute bei der Familie Yozgat und bei allen anderen Angehörigen der Opfer.

 

Forensic Architecture hat zur Rolle Andreas Temme geforscht – Pressekonferenz 6.4.2017, 12:30(!) Uhr in Kassel

Please find English version below!

Initiative 6. April und
Tribunal NSU-Komplex auflösen! laden ein:

Forensic Architecture (Goldsmiths London) präsentiert ihre Untersuchung zu den Aussagen des früheren Verfassungsschutz-Mitarbeiters Andreas Temme

Einladung zur Pressekonferenz
am 6.4.2017, 12:30(!) Uhr im Kulturzentrum Schlachthof, Kassel

Kommenden Donnerstag, den 6. April jährt sich der 11. Todestag von Halit Yozgat. Er wurde 2006 in seinem Internet-Café in der Holländischen Straße in Kassel erschossen und ist das 9. Opfer des NSU.
Am 6. April 2017 um 12:30(!) Uhr werden im Rahmen einer Pressekonferenz – organisiert von der Initiative 6. April und dem Tribunal NSU Komplex auflösen – vorläufige Untersuchungsergebnisse durch die an der Gold- smiths Universität in London ansässige Forschungseinrichtung Forensic Architecture (http://www.forensic-architecture.org/) zum Mordfall an Halit Yozgat vorgestellt.

Die Untersuchung von Forensic Architecture in Zusammenarbeit mit der Kasseler Initiative 6. April und dem Tribunal NSU-Komplex au ösen beziehen sich auf die Rolle des früheren Verfassungsschutz-Mitarbeiters Andreas Temme, der während des Mordes im Internetcafé anwesend war. Die Causa dieses Mordes ist trotz des seit Mai 2013 laufenden Gerichtsprozesses am OLG München immer noch geprägt durch offene Fragen. Dies betrifft insbesondere die Rolle von Andreas Temme. Der damalige Mitarbeiter des Hessischen Verfassungsschutzes hielt sich während der Mordzeit im Internetcafé auf. Er verließ das Internet-Café nur wenige Sekunden bevor Halit ́s Vater Ismail Yozgat eintraf, der seinen hinter dem Schreibtisch liegenden Sohn sofort sah. Andreas Temme sagte mehrmals aus, dass er nichts gesehen, nichts gehört und nichts wahrgenommen habe.

Forensic Architecture hat in einem 1:1 Raummodell des Internet-Cafés und mit Hilfe von 3-D Modellen eine aufwändige Untersuchung vorgenommen. Im Mittelpunkt standen dabei drei Fragen: was hat Andreas Temme gesehen? was hat er gehört? und was hat er gerochen? Hierzu mehr im Pressetext von Forensic Architecture.

Die Ergebnisse sind nicht nur spektakulär, sondern stellen die bisherige Darstellung von Andreas Temme stark in Frage. Mit Hilfe der Kombination von digitalen und analogen Untersuchungsmethoden wurde hier neues Beweismaterial erzeugt, dass auch vor Gericht bestehen kann.

Die Pressekonferenz zur Veröffentlichung dieser vorläufigen Ergebnisse findet am Donnerstag, den 6. April 2017 um 12:30(!) Uhr statt.

Weitere Untersuchungsergebnisse sind im Zeitraum 17-21. Mai 2017 im Rahmen des Tribunals NSU-Komplex auflösen in Köln zu erwarten.

Am 6. April findet zusätzlich ab 13:00 Uhr eine Demonstration unter dem Titel “Kein nächstes Opfer” statt, die am Kasseler Rathaus startet. Ab 15.30 Uhr beginnt die offizielle Gedenkveranstaltung am Halitplatz, dessen zentraler Moment die Ansprache der Familie Yozgat bilden wird.

Mit freundlichen Grüßen

Initiative 6. April

Presserelease von Forensic Architecture, 01.04.2017

Intiative 6. April and
Tribunal Unraveling the NSU Complex:

Forensic Architecture (Goldsmiths London) presents their examination of Andreas Temme’s statements, former employee of Hessen Office for the Protection of the Constitution

Invitation to press conference on 6 April 2017, 12:30(!) p.m. at Kulturzentrum Schlachthof in Kassel

This Thursday, 6 April, is the 11th anniversary of Halit Yozgat’s death. In 2006 he was shot dead in his internet café on Holländische Straße in Kassel. He was the 9th victim of the NSU.

On 6 April 2017 at 12:30(!)p.m. a press conference will be held to present the work of Forensic Architecture, a research group at Goldsmiths University, London (http://www.forensic-architecture.org/). They will present the preliminary results of their study of Halit Yozgat’s murder case. The press conference is being organized by Initiative 6. April and the Tribunal Unraveling the NSU Complex.

Forensic Architecture has collaborated with the Kassel-based Initiative 6 April and the Tribunal Unraveling the NSU Complex to scrutinize the role of the former employee of the Constitutional Protection Office, Andreas Temme, who was in the internet café at the time of the murder. The legal context of the murder is still riddled with questions despite the ongoing trial before the High Regional Court Munich, which began in May 2013. There are a lot of questions surrounding Andreas Temme’s role in particular. Back in 2006 Temme was working for the Hessen Office for the Protection of the Constitution, the domestic secret service. At the time of the murder, he was in the internet café. He left the internet café just seconds before Halit’s father, Ismail Yozgat, walked in and immediately saw his son lying on the ground behind his desk. Andreas Temme has said multiple times that he saw nothing, heard nothing, and otherwise didn’t notice anything unusual.

Forensic Architecture built a 1:1 model of the internet café and used 3-D modelling technology to undertake an elaborate study of the event. Their three leading questions were: What did Andreas Temme see? What did he hear? And what did he smell? For more details, see the Forensic Architecture press kit.

The results are beyond spectacular. They powerfully call into question how Andreas Temme has been characterized up to now. By combining digital and analog investigative methods, Forensic Architecture has produced new evidence that can stand in court.

Their preliminary results will be presented at the press conference on Thursday, 6 April 2017 at 12:30 p.m. The precise location will be announced shortly beforehand, but will be somewhere around Halitplatz.

More results from their study of the murder case will be presented between 17 and 21 May 2017 as part of the Tribunal Unraveling the NSU Complex in Cologne.

There will also be a march held on 6 April starting at 1:00 p.m. with the motto “No next victim!” (https://initiative6april.wordpress.com). The march will start at Kassel town hall. The official memorial service will begin at 3:30 p.m. on Halitplatz and will culminate in an address held by the Yozgat family.

With kind regards,
Initiative 6 April

Presserelease von Forensic Architecture, 01.04.2017

Aufruf zur Demo am 6.4. | Kein nächstes Opfer! NSU-Komplex auflösen! | Bir kurban daha istemiyoruz! NSU kompleksi dağıtılsın!

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Demonstration und Teilnahme an der Gedenkveranstaltung am Halitplatz in Kassel
Treffpunkt: 13 Uhr am Rathaus am 6. April 2017 in Kassel

Facebook-Veranstaltung
Download Faltblatt
Aktuelle Informationen zur Demonstration über #KeinNaechstesOpfer
Oder folgt uns auf Twitter: @Ini6April

AUFRUF

Auf dem Weg zum Tribunal NSU-Komplex auflösen (17.-21.Mai 2017) laden wir alle demokratischen, antirassistischen, antifaschisten Gruppen, Netzwerke und Einzelpersonen nach Kassel ein.

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