NSU-Untersuchungsausschuss Hessen: ein bewegender, trauriger und kämpferischer Auftritt von Ayşe und İsmail Yozgat

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Die Familie Yozgat war heute zur letzten Sitzung des NSU-Untersuchungsausschuss im hessischen Landtag eingeladen – die Einladung erfolgte sehr spät und wirkte wie ein symbolischer Akt. Im Verlauf der Befragung von Ayşe und İsmail Yozgat, den Eltern des am 6. April 2006 in seinem Internetcafé ermordeten Halits, wurde deutlich wie wichtig ihr Wissen und ihre Einschätzungen sind.

Gleich zu Beginn der Sitzung hängte İsmail Yozgat ein Bildplakat an den Zeugentisch – sichtbar für alle Abgeordneten und verband damit das Kinderfoto von Halit mit der Straßenumbenennung.  Nachdem er die Forderungen nach der Umbenennung der Holländischen Straße in Halitstraße und einer erneuten Begehung des Tatorts stellte, berichtete er von den Geschehnissen im Internetcafé am Tattag des 6. April 2006.  Mit einem Tisch und einigen Stühlen stellte er das Internetcafé nach und veranschaulichte körperlich und räumlich für alle Mitglieder des Untersuchungsausschusses die Situation im Internetcafé: Zuerst zeigte er in welcher Lage er seinen Sohn hinter dem Tisch fand, wie er Hilfe holte und wie er seinen Sohn in seine Arme nahm. Im zweiten Schritt zeigte er, dass Temmes Aussage nicht stimmen kann, da er auch sofort Halits Körper gesehen haben musste und dass, „(…) die polizeiliche Nachstellung nach Herrn Temmes Wünschen ausgeführt wurde. Laut İsmail Yozgat gibt es nur drei Möglichkeiten: Herr Temme hat die Mörder gesehen oder er hat sie gelenkt oder er hat Halit selbst ermordet.

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Große Teile des Ausschusses zeigten gleich zu Beginn deutlich, dass sie kein Interesse an weiteren Ermittlungen haben: Die CDU Fraktion machte kein Gebrauch von ihrem Fragerecht und beließ es lediglich bei Beileidsbekundungen. Jörg-Uwe Hahn von der FDP Fraktion gab der Familie den völlig unpassenden, als Frage getarnten Ratschlag, die gutgemeinte Geste der Kasseler Bevölkerung — die Einrichtung des Halitplatzes — dankbar anzuerkennen und nicht weiter die Umbenennung der Holländischen Straße in Halitstraße zu fordern. In diesem Moment ging ein empörtes Raunen  durch den Besucher*innenbereich. Herr Yozgat antwortet auf den Halitstraßen Ratschlag: „Sie haben das gemacht was Sie wollten – nicht was wir wollten. Ich habe immer nur die Halitstraße gefordert“.

Auch der Vorsitzende des Ausschusses, den Herr Yozgat um  Unterstützung oder Hinweise für die Umsetzung seiner Forderung nach der Umbenennung bat, wies dies ab mit dem Hinweis, dass diese Entscheidung bei der Stadt Kassel liege. Deutlich wurde, dass die Forderung auch ein gesellschaftliches Problem sichtbar macht: Wie schwer wiegt, daß Kassel ein Opfer rassistischer Gewalt zu beklagen hat – gegen die Opferung eines Straßennamens?

Ayşe und İsmail Yozgat zeigten großes Unverständnis darüber, daß von Seiten der staatlichen Behörden Andreas Temme Glauben geschenkt wird. Sie wiesen deutlich darauf hin, dass Temme über 2 Jahre hinweg täglich Gast im Internetcafé war und immer zwei Stunden blieb – zwei Mal auch in Begleitung einer hochgewachsenen Frau. Nur am Tattag  blieb er lediglich 15 Minuten und kam danach nie wieder. Herr Yozgat konnte auch in unzähligen schlaflosen Nächten keine Antwort darauf finden warum, warum nur 15 Minuten, und warum blieb er danach weg?

Herr und Frau Yozgat berichteten auch, dass sie von 2006 bis 2011 abgehört und beschattet wurden. „Wenn wir zu Verwandten nach Holland fuhren, wurden wir verfolgt. Wenn wir nach Österreich zu Verwandten fuhren, wurden wir verfolgt. Die Beschatter folgten uns auch bis in die Türkei…“  deswegen kann Ayşe Yozgat nicht ausschließen, ob sie nicht auch in 2013 auf dem Weg nach München zum Oberlandesgericht verfolgt wurden. Sie fragte die Mitglieder des Ausschusses ob sie heute auch noch abgehört werden.

Nach dem Mord nahmen zwei verdeckte Ermittlungsbeamte Kontakt zur Familie auf und gaben sich als interessierte Käufer für das leerstehende Internetcafé aus.

Ismail Yozgat hatte sich  nach dem Mord schriftlich an Volker Bouffier in seiner damaligen Funktion als Innenminister gewandt und ihn um ein Gespräch gebeten. Bouffier allerdings ging nie auf die Bitte der Familie ein und dieser Brief blieb unbeantwortet. In dieser Zeit erhielten sie keinerlei Unterstützung oder Beratung durch staatliche Stellen, z.B. durch Seelsorger. Herr Yozgat betonte auch, dass er niemals irgendwelche Gelder vom Staat angenommen hat, weder Rückerstattung von Reisekosten zum Gericht, noch die 800.000 Euro die ihm für den Verlust seines Sohne angeboten wurden. Sein einziger Wunsch wäre, dass die Straße in der Halit geboren wurde und in der er ermordet wurde umbenannt würde.

Schließlich erzählten sie von der Demonstration „Kein 10.Opfer“ im Jahr 2006 in Kassel, die von den betroffenen Familien organisiert wurde. Es sei ihnen mit der Demonstration darum gegangen, dass weiteren Morde verhindert würden. „Wir wollten aller Welt zeigen, dass wir eine Stimme haben“ sagte Ayşe Yozgat dazu. Beiden war es wichtig, durch die Demonstration ihrem Wissen und ihren Forderungen Gehör zu verschaffen, und sie wiesen darauf hin, dass nach der Demonstration „kein 10.Opfer“ die rassistische Mordserie zum Halten kam.

Die Stimme der Yozgat’s war laut und klar und die vielen Besucher dieses voraussichtlich letzten öffentlichen Verhandlungstages wurden zu Zeugen ihres  wichtigen, profunden Wissen um das Geschehen. Dass ausgerechnet die Stimmen von Herrn und Frau Yozgat erst jetzt zum Ende des hessischen Untersuchungsausschusses vorkommt, ist mehr als unverständlich. Vor allem, da die Frage im Raum bleibt, was ihr Wissen zu Beginn des Untersuchungsausschusses hätte in Gang setzen können, wäre es gehört worden.

Es bleibt ein starkes Zeugnis von den Versäumnissen und Fehlern der staatlichen Institutionen, der Medien und der Gesellschaft, das hilft die Dimensionen des NSU-Komplexes zu verstehen und zu erfassen.

Die Initiative 6. April fordert, dass dieses Wissen und das Gespräch mit den betroffenen Familien im Zentrum der Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex stehen muss. Es kann nicht sein, dass 11 Jahre nach dem Mord an Halit Yozgat seine Familie lediglich als symbolischer Akt  am letzten Tag des Untersuchungsausschusses eingeladen wird. Unsere Gedanken sind heute bei der Familie Yozgat und bei allen anderen Angehörigen der Opfer.

 

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Forensic Architecture hat zur Rolle Andreas Temme geforscht – Pressekonferenz 6.4.2017, 12:30(!) Uhr in Kassel

Please find English version below!

Initiative 6. April und
Tribunal NSU-Komplex auflösen! laden ein:

Forensic Architecture (Goldsmiths London) präsentiert ihre Untersuchung zu den Aussagen des früheren Verfassungsschutz-Mitarbeiters Andreas Temme

Einladung zur Pressekonferenz
am 6.4.2017, 12:30(!) Uhr im Kulturzentrum Schlachthof, Kassel

Kommenden Donnerstag, den 6. April jährt sich der 11. Todestag von Halit Yozgat. Er wurde 2006 in seinem Internet-Café in der Holländischen Straße in Kassel erschossen und ist das 9. Opfer des NSU.
Am 6. April 2017 um 12:30(!) Uhr werden im Rahmen einer Pressekonferenz – organisiert von der Initiative 6. April und dem Tribunal NSU Komplex auflösen – vorläufige Untersuchungsergebnisse durch die an der Gold- smiths Universität in London ansässige Forschungseinrichtung Forensic Architecture (http://www.forensic-architecture.org/) zum Mordfall an Halit Yozgat vorgestellt.

Die Untersuchung von Forensic Architecture in Zusammenarbeit mit der Kasseler Initiative 6. April und dem Tribunal NSU-Komplex au ösen beziehen sich auf die Rolle des früheren Verfassungsschutz-Mitarbeiters Andreas Temme, der während des Mordes im Internetcafé anwesend war. Die Causa dieses Mordes ist trotz des seit Mai 2013 laufenden Gerichtsprozesses am OLG München immer noch geprägt durch offene Fragen. Dies betrifft insbesondere die Rolle von Andreas Temme. Der damalige Mitarbeiter des Hessischen Verfassungsschutzes hielt sich während der Mordzeit im Internetcafé auf. Er verließ das Internet-Café nur wenige Sekunden bevor Halit ́s Vater Ismail Yozgat eintraf, der seinen hinter dem Schreibtisch liegenden Sohn sofort sah. Andreas Temme sagte mehrmals aus, dass er nichts gesehen, nichts gehört und nichts wahrgenommen habe.

Forensic Architecture hat in einem 1:1 Raummodell des Internet-Cafés und mit Hilfe von 3-D Modellen eine aufwändige Untersuchung vorgenommen. Im Mittelpunkt standen dabei drei Fragen: was hat Andreas Temme gesehen? was hat er gehört? und was hat er gerochen? Hierzu mehr im Pressetext von Forensic Architecture.

Die Ergebnisse sind nicht nur spektakulär, sondern stellen die bisherige Darstellung von Andreas Temme stark in Frage. Mit Hilfe der Kombination von digitalen und analogen Untersuchungsmethoden wurde hier neues Beweismaterial erzeugt, dass auch vor Gericht bestehen kann.

Die Pressekonferenz zur Veröffentlichung dieser vorläufigen Ergebnisse findet am Donnerstag, den 6. April 2017 um 12:30(!) Uhr statt.

Weitere Untersuchungsergebnisse sind im Zeitraum 17-21. Mai 2017 im Rahmen des Tribunals NSU-Komplex auflösen in Köln zu erwarten.

Am 6. April findet zusätzlich ab 13:00 Uhr eine Demonstration unter dem Titel “Kein nächstes Opfer” statt, die am Kasseler Rathaus startet. Ab 15.30 Uhr beginnt die offizielle Gedenkveranstaltung am Halitplatz, dessen zentraler Moment die Ansprache der Familie Yozgat bilden wird.

Mit freundlichen Grüßen

Initiative 6. April

Presserelease von Forensic Architecture, 01.04.2017

Intiative 6. April and
Tribunal Unraveling the NSU Complex:

Forensic Architecture (Goldsmiths London) presents their examination of Andreas Temme’s statements, former employee of Hessen Office for the Protection of the Constitution

Invitation to press conference on 6 April 2017, 12:30(!) p.m. at Kulturzentrum Schlachthof in Kassel

This Thursday, 6 April, is the 11th anniversary of Halit Yozgat’s death. In 2006 he was shot dead in his internet café on Holländische Straße in Kassel. He was the 9th victim of the NSU.

On 6 April 2017 at 12:30(!)p.m. a press conference will be held to present the work of Forensic Architecture, a research group at Goldsmiths University, London (http://www.forensic-architecture.org/). They will present the preliminary results of their study of Halit Yozgat’s murder case. The press conference is being organized by Initiative 6. April and the Tribunal Unraveling the NSU Complex.

Forensic Architecture has collaborated with the Kassel-based Initiative 6 April and the Tribunal Unraveling the NSU Complex to scrutinize the role of the former employee of the Constitutional Protection Office, Andreas Temme, who was in the internet café at the time of the murder. The legal context of the murder is still riddled with questions despite the ongoing trial before the High Regional Court Munich, which began in May 2013. There are a lot of questions surrounding Andreas Temme’s role in particular. Back in 2006 Temme was working for the Hessen Office for the Protection of the Constitution, the domestic secret service. At the time of the murder, he was in the internet café. He left the internet café just seconds before Halit’s father, Ismail Yozgat, walked in and immediately saw his son lying on the ground behind his desk. Andreas Temme has said multiple times that he saw nothing, heard nothing, and otherwise didn’t notice anything unusual.

Forensic Architecture built a 1:1 model of the internet café and used 3-D modelling technology to undertake an elaborate study of the event. Their three leading questions were: What did Andreas Temme see? What did he hear? And what did he smell? For more details, see the Forensic Architecture press kit.

The results are beyond spectacular. They powerfully call into question how Andreas Temme has been characterized up to now. By combining digital and analog investigative methods, Forensic Architecture has produced new evidence that can stand in court.

Their preliminary results will be presented at the press conference on Thursday, 6 April 2017 at 12:30 p.m. The precise location will be announced shortly beforehand, but will be somewhere around Halitplatz.

More results from their study of the murder case will be presented between 17 and 21 May 2017 as part of the Tribunal Unraveling the NSU Complex in Cologne.

There will also be a march held on 6 April starting at 1:00 p.m. with the motto “No next victim!” (https://initiative6april.wordpress.com). The march will start at Kassel town hall. The official memorial service will begin at 3:30 p.m. on Halitplatz and will culminate in an address held by the Yozgat family.

With kind regards,
Initiative 6 April

Presserelease von Forensic Architecture, 01.04.2017

Aufruf zur Demo am 6.4. | Kein nächstes Opfer! NSU-Komplex auflösen! | Bir kurban daha istemiyoruz! NSU kompleksi dağıtılsın!

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Demonstration und Teilnahme an der Gedenkveranstaltung am Halitplatz in Kassel
Treffpunkt: 13 Uhr am Rathaus am 6. April 2017 in Kassel

Facebook-Veranstaltung
Download Faltblatt
Aktuelle Informationen zur Demonstration über #KeinNaechstesOpfer
Oder folgt uns auf Twitter: @Ini6April

AUFRUF

Auf dem Weg zum Tribunal NSU-Komplex auflösen (17.-21.Mai 2017) laden wir alle demokratischen, antirassistischen, antifaschisten Gruppen, Netzwerke und Einzelpersonen nach Kassel ein.

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„Hätt‘ ich dich heut erwartet hätt‘ ich Kuchen da…“ Gegen die AFD und ihre rechte Hetze am Halitplatz!

Wir möchten gerne diesen kurzfristigen Aufruf mit euch teilen:

Am 22.03.2017 um 19:00 Uhr trifft sich der AFD – Stadtverband Kassel zu
einer offenen Veranstaltung mit der stellvertretenden
AFD-Bundesvorsitzenden Beatrix von Storch und der hessischen
Spitzenkandidatin Mariana Harder-Kühnel im Philipp-Scheidemann-Haus am
Halitplatz. Die Veranstaltung ist inhaltlich nicht weiter beworben,
allerdings dürften die Positionen der AFD einschlägig bekannt sein.
Nach wie vor ist die AFD ein Sammelbecken für rassistische, sexistische
und antisemitische Politik. Sie verbreitet rechte Parolen und erfreut
sich dabei der Unterstützung aus der bürgerlichen Mitte. Durch
Sprachrohre wie Björn Höcke oder eben auch Beatrix von Storch versucht
sie, völkische und nationalistische Ideen salonfähig zu machen und die
deutsche Geschichte zu relativieren. Wer anders denkt, wird durch
Drohungen oder Diffammierungen mundtot gemacht.
Also nicht, dass es nicht genug Gründe gäbe, sich der AFD
entgegenzustellen, wo es nur geht. Aber die Auswahl des Orts dieser
Veranstaltung ist besonders zynisch.
Die Halitstraße ist ein Ort der Vielfalt und war deshalb in der
Vergangenheit schon Ziel von rassistischen Angriffen. Der Halitplatz ist
ein Ort des Gedenkens an Halit Yozgat, der hier vor 11 Jahren vom NSU
ermordet wurde. Nun möchte hier die AFD Raum bekommen um ihre
rassistische Hetze zu verbreiten?
Wir sagen NEIN!
Wir rufen auf, laut zu sein und der AFD und ihrer Politik eine Absage zu
erteilen! Kommt deswegen morgen,
22.03.2017
18:00 Uhr
zum Philipp Scheidemann Haus am Halitplatz

Rückschau: [Temme in der Klemme!] 11.07.2016

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Am 11.07 versammelten sich rund 50 Menschen vor dem Arbeitsplatz von Andreas Temme in der Fünffensterstr. 4 um in der Mittagspause seine Kolleg*innen und Passant*innen auf die unhaltbaren Zustände im NSU-Komplex aufmerksam zu machen.

Dringende Fragen und klaffende Widersprüche zu Temmes Einlassungen und seiner Rolle am Mord an Halit wurden während der Aktion über Transparente, Redebeiträge, Kreide-Zeichnungen, Luftballons und Flugblätter bis in die oberen Etagen des Regierungspräsidiums und auf die Straßen der Kasseler Innenstadt getragen.

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Aufruf: [Temme in der Klemme!] 11.07 12H Fünffensterstr.4

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Andreas Temme, heute unbehelligter Mitarbeiter des Regierungspräsidium Kassel, in der Fünffensterstr. 4, damals sogenannter Verfassungsschützer des hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz, spielt eine zentrale Rolle im NSU-Komplex.

Am 06.04.2006 wurde Halit Yozgat in der Holländischen Straße in Kassel aus rassistischen Motiven in seinem Internetcafé ermordet. Zur Tatzeit befand sich Andreas Temme ebenfalls in diesem Internetcafé. Wenige Stunden vor dem Mord telefonierte Andreas Temme ungewöhnlich lange in seiner Rolle als V-Mann-Führer mit Benjamin Gärtner, einem Kasseler Neonazi. Daraufhin verließ er seine Dienststelle und machte sich auf dem Weg in das Internetcafé. Nach der Tat meldete sich Andreas Temme nicht bei der Polizei. Erst als die Polizei ihn nach der Tat ausfindig machte wurde er vorübergehend als Tatverdächtiger vernommen. Temme behauptete dann, er habe weder Schüsse gehört, noch den blutenden Halit Yozgat hinter der Theke liegen sehen. In zahlreichen Tatortsrekonstruktionen konnte dies eindeutig widerlegt werden. Außerdem ist Temme Sportschütze. Temme ist in seiner Heimatstadt Hofgeismar als „Klein-Adolf“ bekannt. In den abgehörten Telefonaten wurde Temme von Seiten des Verfassungsschutz Unterstützung zugesichert und es fiel der vielsagende Satz von Temmes Vorgesetzten:
„Ich sage ja jedem: Wenn er weiß, dass irgendwo so etwas passiert, dann nicht vorbeifahren. “
Erst als klar wurde, welche Position Andreas Temme bekleidet, wurde durch den damaligen Innenminister und heutigen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) aktiv verhindert, dass umfänglich gegen Temme ermittelt werden konnte. Außerdem ist bekannt, dass Temme in seiner Institution bereits auf den Zusammenhang des Mordes mit den anderen „Ceska-Morden“ aufmerksam machte, ohne dass weitere Details der Tatwaffe in den Medien bekannt gewesen wären.

Trotz alle dem kann er heute weiterhin in guter Position für das Land Hessen arbeiten und hat dabei Zugriff auf zahllose sensible Daten von Mitarbeiter*innen des Landes Hessen. Deswegen wollen wir die Behörde in der Fünffensterstraße 4
am 11.07.16
um 12 Uhr besuchen

um in der Mittagspause die Stadtgesellschaft, sowie seine Kolleg*innen auf diesen Skandal aufmerksam zu machen. Wir halten es für einen Zumutung, dass dieser Mann völlig unbehelligt mitten in Kassel arbeiten kann.

! Er ist es gewesen oder deckt die Mörder*innen !

Wir wollen die brennenden Fragen die schon lange im Raum stehen laut auf die Straße tragen und Temmes Kolleg*innen dazu auffordern Andreas Temme Fragen zu stellen. Kommt vorbei und bring your friends!

Temme, hören Sie auf zu lügen!
Wir fordern eine lückenlose Aufklärung des NSU-Komplex!
NSU-Komplex auflösen!

Initiative 6. April Kassel

Die Rede der Familie Yozgat zum 10. Todestag am Halitplatz in Kassel

Anlässlich des 10. Todestages von Halit am 6. April 2016 hat Ismail Yozgat über rassistische Kontinutäten seit dem NS und den Taten des NSU gesprochen und dargelegt warum die Umbenennung der Holländischen Straße in Halit Straße als Symbol und zur Erinnerung an alle NSU-Opfer wichtig ist.

Die Familie forderte das Gericht auf endlich eine Vor-Ort-Besichtigung am Tatort, im Internetcafé, zu machen, um die Lügen und Ungereimtheiten des damaligen Verfassungsschutz-Mitarbeiters Andreas Temme aufzuklären.

Hier zur geht es zum Transkript der Rede durch die Initiative 6.April

Einladung – Davetiye: Gedenken an Halit 06.04.2016

Sehr geehrte Freunde und Freundinnen,

unser Sohn Halit wurde im Alter von 21 Jahren durch Kugeln von Nazis ermordet.
Schweigt nicht. Vergesst nicht. Diese Sache ist unser aller Sache.
Lasst uns an Halits Todestag treffen und dafür stehen: Wir wollen kein nächstes Opfer!

 06.04.2016
15:30 Uhr
Halit-Platz in 34127 Kassel
(gegenüber Philipp-Scheidemann-Haus)

Değerli Dostlar,
Oğlumuz Halit 21 yaşında Nazi kurșunlarıyla öldürüldü.
Susmayın. Unutmayın. Bu dava hepimizin davası.

„Naziler bir daha insan öldürmesin“ demek için Halit’in ölüm yıl dönümünde buluşalım.

Tarih: 06.04.2016
Saat: 15:30
Yer: Halit-Platz, 34127 Kassel
(Philipp-Scheidemann-Haus’un karşısı)

Video-Installation und Diskussion im Rahmen des Dok-Fest

halit-strasse_still01Im Rahmen des Kasseler Dokumentarfilmfestivals Dok-Fest ist vom 11.11. bis zum 15.11. eine Videoinstallation von Fritz Laszlo Weber zu sehen.

Am Freitag, den 13.11.um 18:00 finden in Zusammenhang mit der Installation im Südflügel (KulturBahnhof) Gespräche zum Thema Halit-Straße in Kassel, Rassismus und widerständige Praktiken statt (Veranstaltung in deutscher Sprache). Es geht dabei um eine Perspektive auf Dokumentation und Archive unter Beteiligung eines Archivtheoretikers und Vertretern des Projektes pad.ma. Auch eine Vertreterin des Initiative 6. April wird zugegen sein.

Die Arbeit von Weber ist aus einer langjährigen Auseinandersetzung mit dem Mord des NSU an Halit Yozgat in Kassel entstanden. In HALIT-STRASSE, KASSEL, HESSEN, DEUTSCHLAND werden Fragen nach der Auseinandersetzung und Aufarbeitung gestellt. Auch werden jene Strategien und Politiken des Zeigens sichtbar, die täglich darüber entscheiden, welche Nachrichten, Geschichten, Namen und Hintergründe gesehen und welche von der öffentlichen Wahrnehmung ausgeschlossen werden.

Der Beitrag von Weber steht im Kontext der Rubrik „Monitoring“ des Dokfest (link).

 

Gedenkveranstaltung für Halit Yozgat am 06.04.2015, 16h, Halitplatz-Kassel

Liebe Blogleser*innen!

wir rufen auf zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung zum 9. Todestag von Halit Yozgat.

Die Veranstaltung wird von der Stadt Kassel organisiert und beginnt um 16.00 Uhr am Halitplatz.
Es gibt ein paar Reden: u.a. von OB Hilgen, dem türkischen Generalkonsul Ufuk Ekici, Ismail Yozgat und Barbara John

Nicht zuletzt angesichts der jüngsten Aussagen im hessischen NSU-Untersuchungsausschuss (zum Thema Andreas Temme und der Rolle des Verfassungsschutzes), bleibt es wichtig, solidarisch mit der Familie Yozgat zu sein und dies öffentlich zu zeigen.

Lasst uns zahlreich erscheinen und zeigen, dass wir mit der Familie Yozgat stehen und die Aufarbeitungsversuche des Mordes weiterhin kritisch verfolgen!

Initiative 6. April

 

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Download des Ansteckflyers hier: 6April_Gedenkveranstaltung_2015_Flyer_16Uhr