Rückschau: [Temme in der Klemme!] 11.07.2016

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Am 11.07 versammelten sich rund 50 Menschen vor dem Arbeitsplatz von Andreas Temme in der Fünffensterstr. 4 um in der Mittagspause seine Kolleg*innen und Passant*innen auf die unhaltbaren Zustände im NSU-Komplex aufmerksam zu machen.

Dringende Fragen und klaffende Widersprüche zu Temmes Einlassungen und seiner Rolle am Mord an Halit wurden während der Aktion über Transparente, Redebeiträge, Kreide-Zeichnungen, Luftballons und Flugblätter bis in die oberen Etagen des Regierungspräsidiums und auf die Straßen der Kasseler Innenstadt getragen.

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Aufruf: [Temme in der Klemme!] 11.07 12H Fünffensterstr.4

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Andreas Temme, heute unbehelligter Mitarbeiter des Regierungspräsidium Kassel, in der Fünffensterstr. 4, damals sogenannter Verfassungsschützer des hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz, spielt eine zentrale Rolle im NSU-Komplex.

Am 06.04.2006 wurde Halit Yozgat in der Holländischen Straße in Kassel aus rassistischen Motiven in seinem Internetcafé ermordet. Zur Tatzeit befand sich Andreas Temme ebenfalls in diesem Internetcafé. Wenige Stunden vor dem Mord telefonierte Andreas Temme ungewöhnlich lange in seiner Rolle als V-Mann-Führer mit Benjamin Gärtner, einem Kasseler Neonazi. Daraufhin verließ er seine Dienststelle und machte sich auf dem Weg in das Internetcafé. Nach der Tat meldete sich Andreas Temme nicht bei der Polizei. Erst als die Polizei ihn nach der Tat ausfindig machte wurde er vorübergehend als Tatverdächtiger vernommen. Temme behauptete dann, er habe weder Schüsse gehört, noch den blutenden Halit Yozgat hinter der Theke liegen sehen. In zahlreichen Tatortsrekonstruktionen konnte dies eindeutig widerlegt werden. Außerdem ist Temme Sportschütze. Temme ist in seiner Heimatstadt Hofgeismar als „Klein-Adolf“ bekannt. In den abgehörten Telefonaten wurde Temme von Seiten des Verfassungsschutz Unterstützung zugesichert und es fiel der vielsagende Satz von Temmes Vorgesetzten:
„Ich sage ja jedem: Wenn er weiß, dass irgendwo so etwas passiert, dann nicht vorbeifahren. “
Erst als klar wurde, welche Position Andreas Temme bekleidet, wurde durch den damaligen Innenminister und heutigen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) aktiv verhindert, dass umfänglich gegen Temme ermittelt werden konnte. Außerdem ist bekannt, dass Temme in seiner Institution bereits auf den Zusammenhang des Mordes mit den anderen „Ceska-Morden“ aufmerksam machte, ohne dass weitere Details der Tatwaffe in den Medien bekannt gewesen wären.

Trotz alle dem kann er heute weiterhin in guter Position für das Land Hessen arbeiten und hat dabei Zugriff auf zahllose sensible Daten von Mitarbeiter*innen des Landes Hessen. Deswegen wollen wir die Behörde in der Fünffensterstraße 4
am 11.07.16
um 12 Uhr besuchen

um in der Mittagspause die Stadtgesellschaft, sowie seine Kolleg*innen auf diesen Skandal aufmerksam zu machen. Wir halten es für einen Zumutung, dass dieser Mann völlig unbehelligt mitten in Kassel arbeiten kann.

! Er ist es gewesen oder deckt die Mörder*innen !

Wir wollen die brennenden Fragen die schon lange im Raum stehen laut auf die Straße tragen und Temmes Kolleg*innen dazu auffordern Andreas Temme Fragen zu stellen. Kommt vorbei und bring your friends!

Temme, hören Sie auf zu lügen!
Wir fordern eine lückenlose Aufklärung des NSU-Komplex!
NSU-Komplex auflösen!

Initiative 6. April Kassel

Die Rede der Familie Yozgat zum 10. Todestag am Halitplatz in Kassel

Anlässlich des 10. Todestages von Halit am 6. April 2016 hat Ismail Yozgat über rassistische Kontinutäten seit dem NS und den Taten des NSU gesprochen und dargelegt warum die Umbenennung der Holländischen Straße in Halit Straße als Symbol und zur Erinnerung an alle NSU-Opfer wichtig ist.

Die Familie forderte das Gericht auf endlich eine Vor-Ort-Besichtigung am Tatort, im Internetcafé, zu machen, um die Lügen und Ungereimtheiten des damaligen Verfassungsschutz-Mitarbeiters Andreas Temme aufzuklären.

Hier zur geht es zum Transkript der Rede durch die Initiative 6.April

Einladung – Davetiye: Gedenken an Halit 06.04.2016

Sehr geehrte Freunde und Freundinnen,

unser Sohn Halit wurde im Alter von 21 Jahren durch Kugeln von Nazis ermordet.
Schweigt nicht. Vergesst nicht. Diese Sache ist unser aller Sache.
Lasst uns an Halits Todestag treffen und dafür stehen: Wir wollen kein nächstes Opfer!

 06.04.2016
15:30 Uhr
Halit-Platz in 34127 Kassel
(gegenüber Philipp-Scheidemann-Haus)

Değerli Dostlar,
Oğlumuz Halit 21 yaşında Nazi kurșunlarıyla öldürüldü.
Susmayın. Unutmayın. Bu dava hepimizin davası.

„Naziler bir daha insan öldürmesin“ demek için Halit’in ölüm yıl dönümünde buluşalım.

Tarih: 06.04.2016
Saat: 15:30
Yer: Halit-Platz, 34127 Kassel
(Philipp-Scheidemann-Haus’un karşısı)

Video-Installation und Diskussion im Rahmen des Dok-Fest

halit-strasse_still01Im Rahmen des Kasseler Dokumentarfilmfestivals Dok-Fest ist vom 11.11. bis zum 15.11. eine Videoinstallation von Fritz Laszlo Weber zu sehen.

Am Freitag, den 13.11.um 18:00 finden in Zusammenhang mit der Installation im Südflügel (KulturBahnhof) Gespräche zum Thema Halit-Straße in Kassel, Rassismus und widerständige Praktiken statt (Veranstaltung in deutscher Sprache). Es geht dabei um eine Perspektive auf Dokumentation und Archive unter Beteiligung eines Archivtheoretikers und Vertretern des Projektes pad.ma. Auch eine Vertreterin des Initiative 6. April wird zugegen sein.

Die Arbeit von Weber ist aus einer langjährigen Auseinandersetzung mit dem Mord des NSU an Halit Yozgat in Kassel entstanden. In HALIT-STRASSE, KASSEL, HESSEN, DEUTSCHLAND werden Fragen nach der Auseinandersetzung und Aufarbeitung gestellt. Auch werden jene Strategien und Politiken des Zeigens sichtbar, die täglich darüber entscheiden, welche Nachrichten, Geschichten, Namen und Hintergründe gesehen und welche von der öffentlichen Wahrnehmung ausgeschlossen werden.

Der Beitrag von Weber steht im Kontext der Rubrik „Monitoring“ des Dokfest (link).

 

Gedenkveranstaltung für Halit Yozgat am 06.04.2015, 16h, Halitplatz-Kassel

Liebe Blogleser*innen!

wir rufen auf zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung zum 9. Todestag von Halit Yozgat.

Die Veranstaltung wird von der Stadt Kassel organisiert und beginnt um 16.00 Uhr am Halitplatz.
Es gibt ein paar Reden: u.a. von OB Hilgen, dem türkischen Generalkonsul Ufuk Ekici, Ismail Yozgat und Barbara John

Nicht zuletzt angesichts der jüngsten Aussagen im hessischen NSU-Untersuchungsausschuss (zum Thema Andreas Temme und der Rolle des Verfassungsschutzes), bleibt es wichtig, solidarisch mit der Familie Yozgat zu sein und dies öffentlich zu zeigen.

Lasst uns zahlreich erscheinen und zeigen, dass wir mit der Familie Yozgat stehen und die Aufarbeitungsversuche des Mordes weiterhin kritisch verfolgen!

Initiative 6. April

 

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Download des Ansteckflyers hier: 6April_Gedenkveranstaltung_2015_Flyer_16Uhr

Rückblick auf die Straßenumbenennung vom 4.11.2014

Am 04. November 2011 kam es zur selbst Enttarnung des ‚Nationalsozialistischen Untergrunds‘ NSU. Die Initiative 6. April hat an diesem Tag in Kassel eine symbolische Straßenumbenennung durchgeführt wie zeitgleich bundesweit zahlreiche anderen Initiativen, die gemeinsam die Perspektive der Angehörigen der Opfer dieser rassistisch motivierten und gesellschaftlich und politisch gedeckten Morde stark machen.

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Bundesweite Straßenumbenennungen im Gedenken an die Opfer des NSU

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04.11.2014 – In Kassel sind die Mombachstraße und die Holländische Straße umbenannt worden im Gedenken an Halit Yozgat und die Opfer des Bombenanschlages in der Keupstraße. (Foto: Ginka Hölzel)

Gedenken an Opfer des NSU in zehn deutschen Städten

Straßenumbenennungen in Köln, München, Nürnberg, Kassel, Jena, Berlin, Göttingen, Bremen, Wuppertal und Frankfurt a.M.

Am 4. November 2014, drei Jahre nach dem Auffliegen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), wurden zeitgleich in ganz Deutschland und auch in Kassel Straßen in Gedenken an die Opfer der rassistischen Mordserie und der Bombenanschläge umbenannt. Rund 500 Personen nahmen bundesweit an den Gedenkveranstaltungen teil. Eingeladen hatte ein Zusammenschluss von Initiativen, der eine lückenlose Aufklärung des NSU- Komplexes fordert.
„Uns war es wichtig am heutigen Jahrestag den Blick auf die NSU-Opfer zu lenken und die Angehörigen in ihrer Forderung nach einem würdigen Gedenken zu stärken“, kommentierte Manuel Friedrich vom Initiativenbündnis. Zu häufig werde den Wünschen der Betroffenen nicht entsprochen.
Im Laufe der Mord- und Anschlagserie des NSU wurden die Betroffenen immer wieder einer Opfer-Täter-Umkehrung ausgesetzt. Sie wurden von den Ermittlungsbehörden verdächtigt und in der medialen Öffentlichkeit mit rassistischen Zuschreibungen wie „kriminelle Ausländermilieus“ stigmatisiert. Gleichzeitig konnten die Täter über Jahre hinweg unbehelligt morden.
„Die Betroffenen haben über die ganzen Jahre auf die offensichtlich rassistische Motivation der Taten hingewiesen. Ihre Perspektive wurde jedoch missachtet. Für diese Perspektive machen wir uns stark. Während der NSU-Terror Orte und Menschen mit Leid und Schrecken überzog, spannen wir heute zwischen ihnen ein symbolisches Band der Solidarität“, so Friedrich.

Fotos der Straßenumbenennungen
http://www.bit.ly/nsuopfer
Überregionaler Pressekontakt
Initiative „Keupstraße ist überall“, 01577 / 5978457, medien@keupstrasse-ist-ueberall.de
Köln, 04.11.2014

Täter-Opfer Umkehr und der NSU. Ismail Yozgat und die Lokalzeitung HNA

Kurz vor dem Gedenktag an die Ermordung Halit Yozgats am 06.04.2014 erschien in der lokalen Hessisch-Niedersächsisch-Allgemeinen (HNA) ein Artikel, der die Forderung von Ismail Yozgat zum Thema hatte, die Holländische Straße in Halitstraße umzubenennen. Der Artikel ist hier nachzulesen.

Wir waren einigermaßen konsterniert und halten es für einen Standard wissenschaftlicher Forschung zu Rassismus, in diesem Artikel eine mehr oder weniger perfide Täter-Opfer-Umkehr zu sehen. Ismail Yozgat wird – vielleicht auch unbewusst – die Schuld an Rassismus gegeben. Der übliche Online-Kommentar-Mob zeigt, wessen Geistes Kind sich hier primär angesprochen fühlt und validiert unsere Einschätzung.

Im Nachhinein erfuhren wir, dass einige Personen über diesen Artikel Beschwerde beim Presserat eingelegt haben. Für uns wird hier ebenfalls ganz klar Ziffer 12 des Pressekodex verletzt – denn wie soll eine Einzelperson Schuld an rassistischem Wahn haben können. Ismail Yozgat wird aufgrund seiner Herkunft diskriminiert und darf nicht sprechen – genau das ist Rassismus. Dachten wir. Der Presserat hat die Beschwerde einstimmig abgelehnt. Damit wirft er ein trauriges Licht auf eine Medienlandschaft, die eben noch zerknirscht die Verwendung der hetzenden Wortkreation „Dönermorde“ bedauerte.

Für die Informationen rund um diese Beschwerde und ihre Resonanz danken wir der Gruppe PATATES ATAK!, die uns informiert hat. Wir dokumentieren hier einen satirischen Beitrag der Gruppe, der anlässlich der Straßenumbenennung heute verteilt wurde.

————- G A S T B E I T R A G ——————

(Dikkat! Dikkat! – Gerceğe dayanan mizah! Kommentarkommentierung by PATATES ATAK!)

Umbenennung: Holländische Straße – Halitstraße?!

Danke HNA!
Danke Ulrike Pflüger-Scherb (HNA)!
Danke Presserat !
Böser, böser İsmail Yozgat!

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Einladung zur Straßenumbenennung in Gedenken an Halit Yozgat am 04.11.2014. um 17.30h

Die Opfer des rassistischen NSU-Terrors bleiben unvergessen!
Einladung zur Straßenumbenennung in Gedenken an Halit Yozgat
Holländische Straße Kassel. Haltestelle Halitplatz, Ecke Mombachstraße 4.11.2014 um 17.30 Uhr
Am 4. November werden bundesweit Straßen in Gedenken an Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter sowie an die Bombenanschläge in der Kölner Probsteigasse und der Keupstraße umbenannt. Weiterlesen