Kassel entnazifizieren – Temme anklagen!

Wir dokumentieren hier das Statement vom Antifaschistischen Bündnis Kassel zum 8. Mai 2020:

In Gedenken an Halit Yozgat, Walter Lübcke und alle anderen Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

Am 06.04.2006 wurde Halit Yozgat in der Holländischen Straße in Kassel aus rassistischen Motiven in seinem Internetcafé ermordet. Am Tatort befand sich ebenfalls Andreas Temme, der damals als V-Mann-Führer beim Hessischen Landesamt für Verfassungsschutz arbeitete. Entgegen seiner Aussage konnte nachgewiesen werden, dass er den Mord mindestens mitbekommen haben musste.

Einige Stunden vor dem Mord telefonierte Temme ungewöhnlich lange mit Benjamin Gärtner, einem Kasseler Neonazi. Daraufhin machte er sich auf dem Weg in das Internetcafé. Nach der Tat meldete sich Temme nicht als Zeuge bei der Polizei, wurde im Zuge der Ermittlungen jedoch ausfindig gemacht und vorübergehend als Tatverdächtiger vernommen. Die Polizei durchsuchte seinen Wohn- und Arbeitsort und fand zahlreiche Nazi-Devotionalien, SS-verherrlichende Schriften und mehrere Waffen mit Munition. Auch Temmes Telefone wurden abgehört. In den aufgezeichneten Gesprächen wurde ihm von Seiten des VS Unterstützung zugesichert. Zudem fiel der vielsagende Satz von Temmes Vorgesetzten: „Ich sage ja jedem: Wenn er weiß, dass irgendwo so etwas passiert, dann nicht vorbeifahren.“ Eine forensische Analyse des Londoner Forschungsinstitutes Forensic Architecture konnte nachweisen, dass Temme entgegen seiner Darstellung den Mord mitbekommen haben muss. Weitere Vernehmungen und Ermittlungen wurden durch den damaligen Innenminister und heutigen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) aktiv verhindert. Erst als die Verwicklungen Temmes im Juli 2006 durch die Medien veröffentlicht wurden, wurde ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet und er wurde ins Regierungspräsidium Kassel versetzt. Die Polizei stellte ihre Ermittlungen gegen Andreas Temme relativ zügig ein.

Die nach dem Bekanntwerden des NSU 2011 mit der vermeintlich „lückenlosen Aufklärung“ befassten Organe arbeiteten weiter daran mit, die Rolle Temmes im NSU-Komplex zu verschleiern. Im hessischen NSU-Untersuchungsausschuss erwies sich als besonders fatal, dass die Familie Yozgat nicht als Zeug*innen ernst genommen wurden, sondern mehr als Statist*innen in die letzte öffentliche Sitzung des Ausschusses geladen wurden. Es gelang ihnen zwar die ihnen zugewiesene Rolle zu durchbrechen. Die wichtigen Hinweise, die sie u.a. zu Temme gaben, wurden aber nicht weiter untersucht. Die Akten des hessischen VS, die relevante Informationen zur Kasseler rechten Szene und den Verwicklungen des VS beinhalten, wurden erst für 120 Jahre und schließlich für 30 Jahre gesperrt. Das Oberlandesgericht in München erklärte Temme, trotz mehrerer denkwürdiger Auftritte vor Gericht, für glaubhaft. Halits Mutter sagte dazu: „Sie haben wie Bienen gearbeitet, aber keinen Honig produziert. Es gibt kein Ergebnis.“ Die Familie gab bekannt, dass es keine Begehung des Tatortes durch die Richter*innen gegeben habe und folgerte, sie werde das Urteil nicht anerkennen. „Temme lügt!“

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Nach Protesten wurde Andreas Temme zwar von der Beamtenbesoldung in die Abfallentsorgung versetzt, er arbeitet aber weiterhin im Kasseler Regierungspräsidium. Dass Temme von hessischen Politiker*innen, deutschen Gerichten und dem Verfassungsschutz geschützt wurde und wird, erscheint heute besonders brisant, da antifaschistische und journalistische Recherchen publik gemacht haben, dass Temme dienstlich auch mit Stefan Ernst befasst war. Ernst ist der Mörder Walter Lübckes, der 2019 in Wolfhagen, in der Nähe von Kassel erschossen wurde. Der Name von Ernst und von dessen Mittäter Markus Hartmann tauchten zudem schon in den Ermittlungen 2006 auf. Wir sind der Meinung: Das sind zu viele Zufälle! Die Ermittlungen gegen Temme müssen fortgesetzt werden. Temme gehört angeklagt!

Entnazifizierung bedeutet den Verfassungsschutz, der Nazis bezahlt, Nazis deckt und Nazis beschäftigt, abzuschaffen. Deutsche Parlamente und Gerichte dürfen sich nie wieder mit Nazis gemein machen und deren Lügen decken.

Entnazifizierung bedeutet, dass die rechten Netzwerke in Hessen und bundesweit zerschlagen werden müssen. Dafür müssen die NSU-Akten endlich freigegeben werden!

Entnazifizierung bedeutet, dass die Perspektive der Angehörigen, der Opfer und der Überlebenden rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt ernst genommen wird und in den Fokus rückt.

Dafür kämpfen wir am 8. Mai 2020 und immer!

Link

>>Eine aktuelle Dokumentation von Beiträgen zum Gedenken und Links zu #HalitGedenken auf den verschiedenen Plattformen findet sich hier.<<

#HalitGedenken – Digitale Versammlung zum Gedenken an Halit Yozgat

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Jedes Jahr am 6.April versammelt sich eine solidarische Gemeinschaft aus Kassel und darüber hinaus, um an der Gedenkveranstaltung an Halit Yozgat am Halit-Platz teilzunehmen. Halit Yozgat wurde am 6.April 2006 in seinem Kasseler Internet-café an der Holländischen Straße vom NSU ermordet.

In diesem Jahr kann die Gedenkveranstaltung aufgrund der Corona-Pandemie leider nicht in der bisherigen Form stattfinden. Trotz Corona wollen wir zeigen, dass wir da sind:

Legt am 06.April am Halitplatz Blumen ab! Unter Berücksichtigung aller wichtigen derzeit geltenden Vorschriften. Es gibt keine Veranstaltung. Haltet bitte Abstand!

Hängt Transparente und Plakate an eure Fenster und Balkone!

Macht Fotos und Videos davon und ladet sie mit #HalitGedenken hoch!

Verteilt diesen Aufruf!

Aufruf als PDF im A4-Format zum Ausdrucken: >>DOWNLOAD Aufruf<<

Plakat mit Halit als PDF im A4-Format zum Ausdrucken: >>DOWNLOAD Plakat<<

Unsere Homepage soll am 6. April eine digitale Versammlung verschiedener Stimmen werden, die Halit gedenken:

Schaut am 6. April auch hier vorbei!

Auf diese Weise kommen wir digital zusammen und zeigen, dass wir gemeinsam am 6. April trotz der Corona- Zeit Halit gedenken können und Halit nicht vergessen haben: denn Halit war unser Freund, Halit war unser Bruder, Halit war unser Nachbar

Zur Gedenkveranstaltung am 6. April 2019

Wir setzen uns seit Jahren für ein gemeinsames öffentliches Gedenken mit der Familie Yozgat am 6.April ein. Nachdem der aktuelle Oberbürgermeister der Stadt Kassel dieses gemeinsame öffentliche Gedenken aufgekündigt hat, haben wir mit der Anmeldung einer Gedenkveranstaltung am Halitplatz diese Tradition sicherstellen wollen. Um aufgekommene Missverständnisse auszuräumen, haben wir diese Anmeldung zurückgezogen. Wir wollen, dass auf dem Halitplatz an jedem 6. April, die Trauer und die Forderungen der Eltern von Halit Yozgat im Zentrum stehen. Dies sollte auch in Zukunft nie am 6. April in Frage stehen!

Wer nicht erkennt, wie wichtig diese Gedenkveranstaltung ist, erkennt nicht, dass diese Morde ein Angriff auf unsere gesamte Gesellschaft sind. Es ist kennzeichnend für Kassel, dass es hier eine große gemeinsame Gedenkveranstaltung gibt, die von einem breitem gesellschaftlichen Interesse getragen wird.

Wie soll das Gedenken an einen rassistisch motivierten Mord durch ein neonazistisches Terror-Netzwerk nicht politisch sein? Wir wollen gedenken, damit so etwas nie wieder passiert.

Zu hoffen bleibt, dass der 6. April in den kommenden Jahren wieder ein gemeinsamer Tag der Trauer und der Erinnerung sein kann und die Gedenkveranstaltung der Familie wieder wie gewohnt stattfinden kann. Denn wir wissen wie wichtig der Familie dieser Tag und dieser Ort ist.

Die Demonstration „Solidarität statt Schlussstrich! Rassistische Strukturen auflösen! NSU-Komplex aufklären!“ wird auf jeden Fall stattfinden. Sie beginnt um 13.30h am Rathaus und endet am Kemal-Altun-Platz (vor dem Schlachthof).

Die Gedenkveranstaltung der Familie Yozgat wird am 5. April um 15.00h am Halitplatz stattfinden.

Veranstaltungsreihe in Kassel

Rund um den 6. April werden zahlreiche Veranstaltungen stattfinden, die sich in unterschiedlichen Formaten mit dem NSU-Komplex, rassistischen Kontinuitäten und aktuellen Erscheinungsformen rechter Strukturen beschäftigen. Ihr findet diese auch auf unserem wunderschönen Flyer. (Tipp: Der Flyer ist gleichzeitig ein Plakat. Wenn du fertig bist mit lesen – hänge ihn doch auf 🙂 )

28.3. | Do. | 18:00 | Podiumsdiskussion | Philipp-Scheidemann-Haus

„Gegen das Vergessen – Gefahr im Verzug!“ Konsequenzen aus dem NSU-Terror

Veranstaltet von InitiativeNACHGEFRAGT, VHS-Region Kassel, GEW-Kassel und Nordhessen, Ortsbeirat Nordholland | Kontakt: initiativenachgefragt@gmx.de

Podiumsdiskussion mit: MdB Dr. Irene Mihalic (GRÜNE), MdB Petra Pau (LINKE), MdB Dr. Johannes Fechner (SPD), Seda Başay-Yıldız (Vertreterin der Nebenklage im Münchener NSU-Prozess); Moderation: Armin Ruda (Offener Kanal)

Wir fragen: Warum ist es so schwer, die Erkenntnisse aus den Untersuchungsausschüssen und dem Münchner Prozess in entschlossenes politisches Handeln umzusetzen? Wodurch wird eine Aufklärung des NSU-Komplexes verhindert? Woraus resultiert die gesellschaftliche Ratlosigkeit angesichts des Schwindens demokratischer Gewissheiten und der zu beobachtenden Verrohung des politischen Diskurses? Mehr Infos hier.

29.3. | Fr. | 19:30 | Dokumentarisches Theater | Staatstheater Kassel (Schauspielhaus)

Die NSU-Monologe – Der Kampf der Hinterbliebenen um die Wahrheit

Dokumentarisches Theater der Bühne für Menschenrechte
Deutsch mit englischen und türkischen Übertiteln | almanca – Türkçe ve İngilizce üst yazılı

Die NSU-MONOLOGE erzählen von den jahrelangen Kämpfen dreier Familien der Opfer des NSU – von Elif Kubaşık, Adile Şimşek und İsmail Yozgat. Als am 11. Juli 2018 nach 438 Prozesstagen das Urteil gegen vier Mitglieder des NSU gesprochen wurde, resümierte Frau Ayşe Yozgat, die Mutter von Halit Yozgat, der am 6. April 2006 in Kassel erschossen wurde: »Sie haben wie Bienen gearbeitet, aber keinen Honig produziert«. Die Bundesanwaltschaft und das Gericht haben sich geweigert, das Netzwerk des NSU aufzudecken und die Unterstützung des NSU durch die bundesdeutsche Neonaziszene sowie die Rolle der Verfassungsschutzämter aufzuklären. Es kann kein Schlussstrich unter die Geschichte des NSU gezogen werden, denn nicht nur die Angehörigen der Opfer verlangen Aufklärung – das verlangt die gesamte Gesellschaft. Mehr Infos hier.

2.4. | Di. | 15–20:00 Offenes Treffen für Basteln, Gestaltung und Austausch Karnak (Mombachstraße 45a / Haltestelle Halitplatz)

„Fill_in_the_Blanks“

Wir wollen uns bereits einige Tage vor der Demonstration und der Gedenkkundgebung unter dem Titel „Fill_in_the_Blanks.“ bei Kaffee und Kuchen im Karnak treffen. Dort können wir uns dann u.a. gestalterisch und inhaltlich mit den vielen Fragen auseinandersetzen, die nach dem Ende der ersten NSU-Prozesse in München noch immer offen bleiben. Für Ideen, Gespräche und Vernetzung steht genau dieser Raum zur Verfügung. Zum Bauen, Basteln und Ausprobieren steht uns die neue Werkstatt zur Verfügung, in der Transparente, Schilder und vieles mehr entstehen können. Wir freuen uns auf Euch!

3.4. | Mi. | 18:00 | Film und Diskussion | Filmladen (Goethestraße 31, Kassel)

„Der zweite Anschlag – Rassistische Gewalt in Deutschland. Eine Anklage der Betroffenen“

Veranstaltet von response / Bildungsstätte Anne Frank in Kooperation mit der Initiative 6. April.

Im anschließenden Gespräch mit Filmemacherin Mala Reinhard und der Protagonistin Ayşe Güleç (Initiative 6. April) sprechen wir über Kontinuitäten von Rassismus und rechter Gewalt in Deutschland sowie über migrantische Perspektiven auf antifaschistisches Engagement. Mehr Infos hier.

6.4. | Sa. | 13–18:00 | Ausstellung | Schlachthof Kassel (Mombachstraße 10-12, alte Bewirtungsräume)

Ausstellung zur Aufarbeitung des NSU Komplexes in Zwickau

In der Ausstellung geht es um die Tat- und Wohnorte des NSU-Netzwerkes: Die Gruppe stellte sich die Frage, ob überhaupt von einem „Untergrund“ die Rede sein konnte und wie diese Gruppierung vernetzt war. Indem sie die Orte, an denen das NSU-Kerntrio gelebt und gewirkt hatte, besuchten und dazu recherchierten, kamen sie zu dem Ergebnis, dass es schlichtweg keinen „Untergrund“ gab: Sie konnten sich in Chemnitz frei bewegen, hatten funktionierende soziale Strukturen und ein Netzwerk, welches sie stärkte.

Ein Projekt der Geschichtswerkstatt Chemnitz “Jugendarbeit in der Transformationsgesellschaft” und der Geschichtswerkstatt Zwickau in Kooperation mit dem Kulturbüro Sachsen e.V. Fachstelle Jugendhilfe, Alter Gasometer e.V., AJZ Chemnitz MOJA und der Geschichtswerkstatt Jena (mehr Infos zum Projekt hier)

Solidarität statt Schlussstrich – Demo am 6. April 2019

Als zivilgesellschaftliches Bündnis 6. April rufen wir am 6. April 2019 zu einer Demonstration mit dem Titel „Solidarität statt Schlussstrich – Rassistische Strukturen auflösen! NSU-Komplex aufklären“ auf.

Beginn: Rathaus 13.30h

Ende: 15.30h am Philipp-Scheidemann-Haus (gegenüber des Halitplatzes)

Gedenkveranstaltung: 15.30h am Halitplatz

Aufruf:

“Wenn die wahren Verstrickungen nicht benannt werden, kann es immer wieder
passieren.” hat ein Aktivist aus der Keupstraße kurz nach dem Bekanntwerden
des NSU prophezeit.
2006 hat der NSU Halit Yozgat in seinem Internetcafé in der Holländischen
Straße ermordet. Im Juli letzten Jahres ist der erste NSU-Prozess in München
gegen fünf Angeklagte zu Ende gegangen. Auch der erste hessische Untersuchungsausschuss
in Wiesbaden wurde abgeschlossen. Die zentralen Fragen
blieben offen: Warum Halit? Wer waren die lokalen Unterstützungsstrukturen?
Was hat der Verfassungsschutz mit den Morden zu tun? Die Forderungen von
Überlebenden, Angehörigen und Unterstützer*innen bleiben unerfüllt: Rassismus
in staatlichen Strukturen bekämpfen, den Verfassungsschutz abschaffen
und die Umbenennung der Holländische Straße in Halitstraße. Entsprechend
wichtig ist es, dass wir nicht zulassen, dass ein Schlussstrich gezogen wird
und dass die offenen Fragen weiterhin gestellt und lückenlos aufgeklärt
werden. Wir wenden uns gegen das Vergessen, gegen den Versuch einen
Schlussstrich zu ziehen.
2019 stehen wir vor neuen rechten Parteien und Bündnissen; alten und neuen
rechtsterroristischen Strukturen, die auch in Nordhessen agieren; nur in Ansätzen
aufgedeckten rechten Netzwerken in Polizei und Bundeswehr; einem
gesellschaftlichen Rechtsruck und der ungebrochenen Alltäglichkeit von Rassismus
in Gesellschaft und Institutionen.
All diese Strukturen müssen aufgedeckt und aufgelöst werden. Die hessische
Regierung übt sich seit 2006 in Verschleierung, Lügen und Vertuschung. Dem
wollen wir geschlossen entgegentreten. Die Realität der Gesellschaft der Vielen
muss endlich anerkannt werden. Wir stehen für ein gleichberechtigtes Miteinander
aller Menschen und solidarisch an der Seite von Betroffenen rechter
und rassistischer Gewalt.
Deswegen fordern wir ein Ende des Verdrängens und Vertuschens durch
die Behörden, eine konsequente Bekämpfung von Faschismus, Neonazismus
und Rassismus und setzen uns für ein gemeinsames, solidarisches
Entgegentreten gegen den alltäglichen Rassismus in dieser Gesellschaft
ein.

Es wird auch Mobilisierungen aus anderen Städten wie Göttingen, Frankfurt am Main, Chemnitz, Zwickau, Jena und vielen weiteren geben. Weitere Infos findet ihr in Kürze hier. Wenn ihr selbst Interesse an Mobi-Material habt schreibt uns eine Mail.

Aufruf: Keine Wahlen ohne NSU-Komplex!

Am 28. Oktober sind Wahlen in Hessen.

Jedoch wird der Mord an Halit Yozgat und die damit verbundene Rolle des Verfassungsschutzes als Teile des NSU-Komplexes ignoriert. 
Auch die fehlenden Ermittlungen und politische Konsequenzen sind zentrale Themen der letzten Legislaturperiode in Hessen, die somit auch zentrale Themen für diese Wah-len sein müssen.
Denn auch nach dem Ende des NSU-Prozesses in München und mit Ende des Untersuchungsausschusses in Hessen sind konkrete Fragen offengeblieben:

– Warum und von wem wurde Halit Yozgat als Opfer ausgesucht?

– Warum war der ehemalige Verfassungsschützer Temme während des Mordes im Internetcafé?

– Warum hat der hessische Verfassungsschutz Berichte rund um den NSU und seinen Bezügen zu Kassel für 120 Jahre gesperrt?

– Warum verhindert Volker Bouffier als zuständiger Ministerpräsident weitere Aufklärung?

Mit Erstaunen haben wir festgestellt, dass diese Fragen im Vorfeld der Wahlen trotz der vielen der ausführlichen Berichterstattung in den letzten Jahren jetzt wieder nicht angesprochen werden.
Der hessische Untersuchungsausschuss, besonders die Aussagen der Fami-lie Yozgat und das Gutachten der Forschungsgruppe Forensic Architecture ( https://www.forensic-architecture.org/case/77sqm_926min/ ) haben deutlich gemacht, was für ein staatlicher Skandal bis heute noch nicht aufgeklärt ist.

Die Medien, besonders der öffentlich-rechtliche Rundfunk, sind einer breiten, kritischen Berichterstattung verpflichtet, besonders im Vorfeld einer Wahl. Sowohl im Deutschlandfunk „Interview der Woche“ mit Volker Bouffier und Thorsten Schäfer-Gümbel, in den Wahl-O-Mat Fragebögen der Landeszentrale für politische Bildung, der Frankfurter Rundschau wie auch im Wahlkompass der FAZ herrscht völlige Abwesenheit des kontinuierlichen Versagens der hessischen Behörden.
Es kann nicht sein, dass das Thema NSU, die institutionellen Verflechtungen mit Neonazis und der strukturelle Rassismus in Hessen wieder zur Seite geschoben wird.
Lasst uns dafür sorgen, dass das Schweigen nicht noch lauter wird! Diese Wahlen sind ein zentrales Moment der politischen Partizipation und sie können nicht ohne die Frage nach dem NSU-Komplex stattfinden.

Wir bitten euch, wann immer im Vorfeld der kommenden Wahlen eine Podiumsdiskussion zu Ende geht, ein Interview gesendet wird, am Wahlkampfstand einer Partei Gespräch geführt wird, ohne dass der NSU-Komplex angesprochen wird, dann macht es zum Thema!

Geht ans Mikrofon, schreibt eine Email, sprecht die Leute an und fragt ganz direkt nach. Alle Menschen, die sich in Hessen für einen Sitz im Landtag, für einen Platz in der Regierung bewerben, müssen sich auch dafür rechtfertigen, was sie getan haben und was sie tun werden, um den NSU-Komplex aufzulösen.

Keine Wahlen ohne Auflösen des NSU-Komplexes!

11.07! – Bus aus Kassel nach München zum Tag X2 – Kein Schlussstrich! NSU-Komplex auflösen!

***AKTUALISIERT AM 06.07.2018***

***Bitte weiterleiten***

Zwölf Jahre nach dem Mord an Halit Yozgat und der Demo „Kein 10. Opfer!“ in Kassel, sechseinhalb Jahre nach dem Bekanntwerden des NSU und dem Versprechen nach „lückenloser Aufklärung“, nach fast fünf Jahren NSU-Prozess und vier Jahren hessischem NSU-Untersuchungsausschuss sind zentrale Fragen im NSU-Komplex weiterhin nicht beantwortet und die Forderungen der Betroffenen und der Zivilgesellschaft nicht erfüllt.

Jetzt geht der Prozess in München zu Ende und es ist zu erwarten, dass Sicherheitsbehörden und Staat dann versuchen werden das große Buch NSU zuzuschlagen.Wir werden das nicht zulassen! Zu viele Fragen sind offen, zentrale Motive im NSU-Komplex, wie zum Beispiel struktureller und institutioneller Rassismus oder die Rolle des Verfassungsschutzes, weder ausreichend benannt, noch bearbeitet.

Um das zu zeigen wollen wir zum Tag X2 nach München fahren und auch und besonders aus und für Kassel fordern:

KEIN SCHLUSSSTRICH! NSU-KOMPLEX AUFLÖSEN!

Deswegen kommt mit uns nach München zum Aktionstag und der Großdemonstration.

Am Mittwoch, 11.7. um 5.30h fährt der Bus am Blauen Tor (Mönchebergstraße ) los. Um 21h geht von München zurück. Früh aufstehen für Antirassismus und Antifaschismus ist also angesagt 🙂

Kauft euch Tickets!

Wie viel? 10€ Hin- und Zurück ab Kassel

Wo? Tickets gibt’s im AStA der Uni Kassel (zu den Bürozeiten) und im Kollektivcafé Kurbad (Sternstr. 20, Do-Mo 13-19h; So 13-18h)

Denn vollständigen Aufruf nach München gibt es hier: https://nsuprozess.net/ueber/

Für alle die nicht mitkommen können wird es am 11.7. ab 14h im Kollektivcafé Kurbad einen Livestream zur Veranstaltung in München geben. Ihr seid herzlich eingeladen dort ne Limo oder einen Kaffee zu schlürfen und live zu verfolgen was dort passiert! Kein Schlussstrich auch in Kassel!

Haltet euch auf dem Laufenden hier:

https://initiative6april.wordpress.com/

facebook.com/Initiative6.April/

twitter: @Ini6April

Busorga: Initiative 6. April, Antifaschistische Gruppe T.A.S.K; mit freundlicher Unterstützung von AStA Uni Kassel

Aktuelle Informationen zum Gedenken an Halit am 06.04.2018

Wegen dem Rückzug der Stadt Kassel aus dem Gedenken wird die diesjährige Veranstaltung eine andere Form haben. Schweigend und mit Blumen werden wir Halit und allen anderen Opfern rechter Gewalt gedenken.

Wir bitten euch Blumen, als Symbol des Gedenkens mitzubringen.

06.04.2018
15:30 Uhr
Halitplatz

Stellungnahme der Initiative 6. April zum Rückzug der Stadt

Am 29. März 2018 hat die Stadt Kassel ihre Beteiligung für die diesjährige Gedenkveranstaltung für Halit Yozgat, der als das 9. und jüngste Mordopfer des NSU gilt, zurückgezogen. Die Entscheidung der Stadt Kassel sich auf der Gedenkveranstaltung mitten in den letzten Absprachen und Vorbereitungen herauszuziehen, ist mehr als irritierend: Als Initiative 6. April halten dies Entscheidung für beschämend und nicht annehmbar.

Denn: Ein ungeklärter Brandanschlag auf die Moschee ist kein Grund sich aus der Gedenkveranstaltung wegen angeblicher „Sicherheitsbedenken“ raus zuziehen. Im Gegensatz zum Oberbürgermeister Christian Geselle sieht die Polizei keine konkreten Gefahren und könne die Veranstaltung schützen.

Die Gedenkveranstaltung für Halit ist wichtig und es ist wichtig, dass die Stadt Kassel sich voll und ganz in Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Gruppen in dieser Frage einsetzt. Das Gedenken an Halitplatz ist eine wichtiges sozial-politisches Zeichen. Es ist wichtig, der Familie gemeinsam im solidarischen Akt zu zeigen, dass wir als Gesellschaft der Vielen an diesem Tag zusammenstehen, da Halit unser Freund, unser Nachbar, unser Bruder war und bekunden: wir wollen lückenlose Aufklärung und wir wollen kein nächstes Opfer.

Als Initiative 6. April im Bündnis mit vielen anderen engagierten BürgerInnen und Gruppen in Kassel werden wir in diesem Sinne zusammenstehen.

Wir möchten außerdem sehr gerne den Aufruf „Wir erinnern an Halit Yozgat“ von Akteuren der Kasseler Stadtgesellschaft teilen.